Triglav, das „Stachelschwein“ Sloweniens

Mittwoch im August 2012. Zeit für die Wochenendtourenplanung. Unser erster Blick gilt dem Wetterbericht. Dieser ist für das bayerische Bergland, wie so oft in diesem Sommer, nicht gerade ermutigend. Für Österreich schaut´s auch nicht besser aus. Nur gut, dass wir noch viele offene Projekte haben. Es wird sich schon was finden, da sind wir uns sicher. Und siehe da: „Ein strahlend schöner Tag. Wolken sind kaum zu sehen“, so die Prognosen für Kranjska Gora, einem Ort im Triglav-Nationalpark in Slowenien. Die Entscheidung fällt uns leicht, zumal wir seit längerem die Besteigung des Triglav geplant hatten und diese immer wieder verschieben mussten.

Unser Weg führt uns durch den Karawankentunnel über Mojstrana ins Vrata-Tal im Zentrum des Nationalparks. Hier, in der Nähe der Berghütte „Aljazev dom“, beginnt unser Aufstieg über den Pragweg zur Triglavhütte. Umrahmt von hohen Bergen marschieren wir zunächst auf die imposante Nordwand des Triglav, eine der höchsten Felswände der Ostalpen, zu. Bald schraubt sich der Weg steil empor. Über felsige, teils drahtseilversicherte Steige erreichen wir nach über 1.500 Hm unser Tagesziel. Mit viel Glück bekamen wir in der reichlich vollen Hütte sogar noch ein Zimmer zugewiesen. Damit war es mit dem Luxus auch schon vorbei. Auf der Hütte gab es keinen Tropfen Wasser zum Waschen oder gar für die Toilettenspülung. Entsprechend katastrophal waren die sanitären Bedingungen. Das Speiseangebot weckte in uns Erinnerungen an unsere Anfänge des Bergsteigens vor über 30 Jahren. Nur gut, dass wir eine gut gefüllte Brotzeitbox dabei hatten.

Triglavhütte – Am Gipfel – „Ameisenstraße“

Am nächsten Tag reihen wir uns zwischen den vielen anderen Gipfelaspiranten ein. Eine Besteigung des Triglav, des höchsten Berges des Landes, ist für viele Slowenen ein Muss. Und dies gilt nicht nur für routinierte Bergsteiger sondern auch für viele andere die sich in der Lage sehen auf einen Berg zu steigen. Entsprechend frequentiert sind die verschiedenen Klettersteige auf dem Weg zum höchsten Punkt Sloweniens.

Eisenstift an Eisenstift

Obwohl der Triglav sehr überlaufen ist und überdurchschnittlich mit Drahtseilen und Eisenstiften versichert ist, was ihm im Volksmund den Spitznamen „Stachelschwein“ eingebracht hat, hatten wir auf der Tour sehr viel Spaß. Dies wiederum liegt unter anderem an unseren „Feldstudien“ am Berg. Zu beobachten gibt es hier mehr als genug. Das Ergebnis unserer Studien in Sachen Sicherungs- techniken haben wir in den Top 5 der Sicherungsmethoden zusammengefasst.

Die unterschiedlichsten Sicherungsmethoden am Berg

Platz 1:
Händchenhalten (Vater führt das Kind im ausgesetzten Felsgelände an der Hand)

Platz 2:
Pressschniarl (Schnur aus Plastik) oder Reepschnur um den Bauch gebunden

Platz 3:
Kletterseil oder Bandschlinge um den Bauch gebunden

Platz 4:
Mit Kletterseil einen Sitzgurt geknüpft (leider haben wir hiervon kein Foto)

Platz 5:
Klettergurt mit Klettersteigset (für den sicherheitsbewussten Bergsteiger aus Bayern)

Zurück ins Tal steigen wir über den Tominsekweg, einem anspruchsvollen teils versicherten Weg durch die Felsen, ab. Dieser wunderschöne aussichtsreiche Steig verläuft auf einer Länge von fast 2 km in einer Höhe von ungefähr 1.000 m über dem Vrata-Tal.

Abstieg über den Tominsek-Weg

Nach insgesamt etwa 1.900 Hm im Abstieg kommen wir am späten Nachmittag wieder am Ausgangspunkt unserer Tour an und genießen noch einmal den Blick auf die Berge um uns herum.

Unser Fazit: Ein wunderbares Wochenende liegt hinter uns – die Julischen Alpen sind auf jeden Fall einen weiteren Besuch wert und Fotos von den sanitären Anlagen der Triglavhütte stellen wir nicht besser nicht in unseren Blog ein.