Lawinenkurs Praxis

Wie immer begannen wir mit Kaffee und Kuchen, aber diesmal nicht auf einem Parkplatz, sondern in der DAV-Hütte Spitzingsee. Danach ging es los mit ein bißchen Theorie, doch wir kamen schnell zum praktischen Teil. Zuerst übten wir einige Male die Lawinenverschüttetensuche bei Einfachverschüttung.

Verschüttetensuche

Nach der Mittagspause ging es weiter mit der Mehrfachverschüttung. Dies war schon etwas schwerer zu bewältigen. Später gingen wir ins Gelände und gruben einen Rutschblock um die Schneedecke zu untersuchen.

Rutschblock

Am Ende lösten wir einen ABS-Rucksack aus und in der Hütte zeigten wir noch wie man einen Unterkühlten versorgt.

Hiebler Wärmepackung

Autor: Helmut Schramm jun.

5. Symposium für Höhenphysiologie und Praxis

Durch einen Artikel im Sportmagazin der Bundeswehr über unsere erfolgreiche Expedition auf den Aconcagua wurde der Arzt und Bergführer Dr. M. T. aus Ulm auf uns aufmerksam und lud uns ein vom 31.08. – 04.09.2011 am 5. Symposium für Höhenphysiologie und Praxis teilzunehmen und einen Vortrag über unsere praktischen höhenpysiologischen Erfahrungen am Aconcagua zu halten. Sehr gerne kamen wir dieser Einladung nach.

Für den praxisorientierten Anteil des Symposiums trafen sich die Teilnehmer am Mittwoch Nachmittag auf dem auf 1.668 m hoch gelegenen Schneibsteinhaus. Der Abend diente neben dem Kennenlernen der Teilnehmer auch dem ersten Austausch persönlicher Erfahrungen. Am Donnerstag wurden dem Leistungs- niveau der internationalen Teilnehmer angepasste Touren in die umliegenden Berge angeboten.

Für uns stand der Tag unter dem Thema „Risiko- und Stressmanagement am praktischen Beispiel“. Zusammen mit Dr. M. T. und einem Ärzteteam aus Serbien stiegen wir in die selten begangene 400 Höhenmeter hohe alpine 10-Seillängen Klettertour „Aquarius“ (bewertetet: V+ UIAA) am Hohen-Brett-Massiv ein. Eine Route, die selbst bei einheimischen Bergführern eher unbekannt ist.

Aquarius

Die kaum erkennbare Routenführung sowie die spärlich angebrachten Haken stellten eine zusätzliche Herausforderung, vor allem an den Vorsteiger, dar. Auch die Wegfindung nach dem Ausstieg aus der Route gestaltete sich schwierig, da die restlichen 300 Höhenmeter in Richtung Gipfel aufgrund des einsetzenden Regens und des aufgezogenen Nebels im weglosen Gelände auf nassem Wiesen- und Schrofengelände zurückzulegen waren. Aufgrund der schlechten Sicht und der gegebenden Umstände entschieden wir uns entgegen der ursprünglichen Planung nach Hinterbrand abzusteigen und von hier aus über zusätzliche 500 Höhenmeter auf dem gut ausgebauten Weg zurück zum Schneibsteinhaus aufzusteigen.
Bald nach unserer späten Ankunft an der Hütte ging für uns ein sehr lehrreicher und fordernder Tag zu Ende. Ein Tag an dem sowohl Körper und Geist intensiv geschult sowie die eigene Leidensfähigkeit trainiert wurden.

Am Freitag ging es wieder früh raus. Es stand ein Hüttenwechsel zum Kührointhaus an. Die Planung sah vor, dass wir nach dem Abstieg ins Tal zusammen mit den serbischen Bergsteigern über den Grünsteinklettersteig zum Kührointhaus aufstiegen.

Grünstein Klettersteig

Am Klettersteigeinstieg entschieden wir uns für die schwierigere (D/E) und längere der beiden Varianten. Nach den Anstrengungen des vergangenen Tages eine durchaus fordernde Tour.

Um 14:00 Uhr begann im Kührointhaus der theoretische Teil mit vielen interessanten Vorträgen zu den verschiedensten Themen der Höhenpysiologie, Traumata, Bergung, Risiko- und Stressmanagement usw. die wir, als an diesen Themen sehr interessierte Bergsteiger, aufmerksam verfolgten.

Neben den zahlreichen Vorträgen wurde am Samstag noch ein Praxisteil zum Thema Stressmanagement angeboten. Eine Aufgabenstellung lautete auf einen etwa 15 Meter hohen schwankenden Stamm zu klettern, oben auf einer Fläche mit einem Durchmesser von knapp 30 cm aufzustehen und von dort zu einem Trapez zu springen, an dem man sich mit den Händen festzuhalten hatte.

Eine Aufgabe, die bei den meisten Teilnehmern zu deutlichen Stressreaktionen führte. Hier konnte man sehr gut die gruppendynamischen Abläufe und deren Auswirkungen in Stresssituationen verfolgen.

Im Laufe dieses Symposiums hielten wir vor den Teilnehmern aus 10 Nationen einen Vortrag über unsere Expedition auf den Aconcagua, die Vorbereitungen für diese Tour und unsere persönlichen Erfahrungen im Höhenbergsteigen.

Vortrag Höhenbergsteigen - Aconcagua

Dabei konnten wir unsere persönliche Höhenanpassung, dank der täglichen Aufzeichnung unserer Werte der Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz während der Expedition, mittels Diagrammen aufzeigen.

Am Sonntag gegen 15:00 Uhr war es an der Zeit, sich zu verabschieden. Interessante und lehrreiche Tage mit vielen neuen Informationen, spannenden Gesprächen, neuen Bekanntschaften und Herausforderungen neigten sich dem Ende zu. Mit vielen für uns wichtigen „take-home-messages“ und voller Erinnerungen an dieses gelungene Symposium fuhren wir nach Hause.