Jubiläumsgrat 2011 – Erlebnis Abenteuer und mehr

Endlich war es soweit. Nach mehrmaligen wetterbedingten Terminverlegungen konnten wir die Tour auf den Jubiläumsgrat starten. Von Haag ging es über München nach Garmisch und gleich weiter mit der Bahn auf die Zugspitze. Oben angekommen versuchten wir erst mal eine Unterkunft zu ergattern (unser Versuch im Vorfeld Lagerplätze für uns zu reservieren, brachte der Hüttenwirt des Münchener Hauses zum Scheitern: „Reservierungen werden nicht angenommen“). Um halb fünf standen wir an der Hütte und fragten nach einem Quartier. Die nette Antwort: „Kommt um fünf wieder“. O. k., Freundlichkeiten dieser Art sind wir vom Münchener Haus ja gewohnt. Damit kann er uns nun wirklich nicht mehr beeindrucken. Außerdem war die wunderschöne Abendstimmung eine wunderbare Entschädigung.

Den Abend nutzten wir um den nächsten Tag zu besprechen. Die Bergführer stellten die Tour vor und wiesen noch mal darauf hin, dass am kommenden Tag eine sehr lange und anspruchsvolle Gratüberschreitung bevorsteht. Nun war nur noch die Abmarschzeit festzulegen. Wir entschieden uns so früh wie möglich zu starten. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich noch rausstellen sollte.

Bereits mit dem ersten Licht des Tages stiegen wir in zwei Seilschaften in den Jubiläumsgrat ein. Vor uns lagen etwa 8 km Klettern (teilweise auch drahtseil- versichert) und Gehgelände, wobei der Grat an manchen Stellen gerade mal einen halben Meter breit ist.

Im steten auf und ab führte uns der Weg von der Zugspitze über die Innere, Mittlere und Äußere Höllentalspitze, weiter über die Vollkarspitze bis vor den Hochblassen, der nordseitig umgangen wird. Von der Grießkar Scharte aus ging es auf den Gipfel der Alpspitze. Dann noch der Abstieg über die Alpspitz Ferrata, ein Bier auf der Terrasse der Bergstation und die Abfahrt mit der Gondel zurück ins Tal. Das galt zumindest für die erste Seilschaft.

In der zweiten Seilschaft lief es etwas anders. Kurz vor dem Ende des Jubiläumsgrats hatte eine Bergsteigerin Kreislaufprobleme, die keine Fortsetzung der Tour zuließen. Der begleitende Bergführer setzte nach Absprache mit der betroffenen Bergsteigerin einen Notruf bei der Bergwacht ab. Diese schickte einen Rettungshubschrauber der Bundeswehr. Als dieser eintraf, zogen bereits dichte Nebelschwaden nordseitig in Richtung Grat. Aufgrund der heranziehenden Schlechtwetterfront konnte erst nach mehreren vergeblichen Anlandungsversuchen eine passende Stelle für die Bergung gefunden werden. Per Winch (Seilwinde) wurde die Bergsteigerin in den Hubschrauber gebracht. Da es zwischenzeitlich schon recht spät geworden war und es zudem anzunehmen war, dass die anderen Seilschaftsmitglieder beim Abstieg in das bevorstehende Unwetter geraten würden, entschied die Bergwacht auch diese auszufliegen.

Diese Tour wird allen Teilnehmern in besonderer Erinnerung bleiben. Dank der umsichtigen Zeitplanung, der ehrlichen Selbsteinschätzung der Bergsteigerin, des umsichtigen Handelns des Bergführers und der professionellen Hilfe der Bergwacht ging dieses Abenteuer zum Glück gut aus. Alle sind wohlauf und freuen sich auf die nächste Bergtour.

Plan B – Die Oberwalderhütte

Die Zeit drängt – es sind nicht einmal mehr 2 Wochen bis wir in Richtung Gran Paradiso und Mont Blanc starten wollen. Leider kam das Training in der letzten Zeit bei uns allen etwas zu kurz. Nachdem aufgrund der widrigen Wetter- verhältnisse schon wieder eine geplante Tour (diesmal der Jubiläumsgrat) buchstäblich ins Wasser fiel, machten wir uns trotz bescheidener Wettervor- hersagen zu dritt auf den Weg ins Großglocknergebiet. Eine kleine Akklimatisationstour schien uns dringend erforderlich. Schließlich wollen wir nicht unvorbereitet auf den jeweils höchsten Berg Italiens und Frankreichs starten. Wir entschieden uns für die Oberwalderhütte auf 2.973 m.

Die Hütte liegt auf dem Gipfel des Großen Burgstall, der aus der Pasterze ragt. Von der Kaiser-Franz-Josef-Höhe geht es zunächst eine knappe Stunde über einen touristisch sehr gut ausgebauten Weg, dann weiter weglos, aber gut markiert über vom Gletscher gezeichnete Felsen. Es folgt eine Querung über die Pasterze bis zum Großen Burgstall.

Ab hier führte uns ein steiler Weg durch felsiges Gelände die letzten Höhenmeter bis zur Hütte, die wir nach etwa 2 1/2 Stunden erreichten. Entgegen der Vorhersagen war das Wetter überraschend gut. Wir konnten bei angenehmen Temperaturen und einer Mischung aus Sonne und Wolken aufsteigen. Nur der Blick auf den Großglockner blieb uns verwehrt. Er war die ganze Zeit in Wolken gehüllt. Nach unserer Ankunft auf der Oberwalderhütte stiegen wir, so wie wir es von Helmut gelernt hatten (hoch gehen – tief schlafen), noch knapp 200 Höhenmeter in Richtung mittlerer Bärenkopf auf um die Höhenanpassung zu optimieren. Zurück auf der Hütte ließen wir es uns gut gehen und genossen den ruhigen Abend.
Am nächsten Tag konnten wir trocken und bei recht ordentlichem Wetter absteigen. Der Regen begann erst auf der Rückfahrt nach Hause.
Tja, Glück gehört halt auch dazu.