Die ersten Tage in Bulgarien

Von Nordmazedonien reisen wir nach Bulgarien ein. An der Grenze bucht ein hilfsbereiter Mitarbeiter von BG Toll (Mautsystem in Bulgarien) für uns einen Routepass bis Sofia. Für die weiteren Buchungen gibt er uns ein Infoblatt mit. Na gut, damit kommen wir erstmal bis zum Campingplatz Ivan, unserem ersten Stützpunkt in Bulgarien. Ivans kleiner, einfacher Platz im Norden der Stadt ist ideal für unsere Bedürfnisse.

Hier können wir waschen, unsere Vorräte auffüllen, die Stadt erkunden, klettern gehen, dürfen die leckeren Kirschen von Ivans Baum pflücken und beschäftigen uns mit dem Mautsystem, das uns einige Mühe kostet.

Vom Vitosha Boulevard aus sieht man auf das Vitosha Gebirge hinter der Stadt. Hier gibt’s zahlreiche Wanderwege, Klettermöglichkeiten und im Winter kann man direkt hinter Sofia Ski fahren. Mit Blick über die Stadt gehen wir hier eine Runde klettern.

Nachdem wir das Thema Maut tagelang vor uns hergeschoben hatten duldet es nun keinen Aufschub mehr. Die Kurzfassung: Da unser Fahrzeug über 3,5 t wiegt können wir keine zeitlich befristete E-Vignette kaufen, sondern müssen jeden Streckenabschnitt im Vorfeld buchen. Ist nicht einfach. Nachdem wir uns angemeldet und alle benötigten Grunddaten angegeben hatten kam die Frage nach dem Startpunkt – kein größeres Problem. Aber dann … der Button „Weiter“ funktioniert einfach nicht. Es dauert einige Zeit bis wir drauf kommen, dass die Übersetzung nicht immer ganz eindeutig ist und der Zielpunkt der zu buchenden Route bei der Frage nach einem weiteren Startpunkt einzugeben ist. Dazu kommt, dass wir für die Buchung schon im Vorfeld wissen müssen wo genau wir hin wollen und wie weit. Also mal ehrlich – woher sollen wir das vor der Fahrt schon wissen? Wie oft planen wir spontan um? Einfach so, weil wir auf irgend eine Sehenswürdigkeit aufmerksam werden? Aber gut, so ist es eben.
Nachdem wir die Buchungsproblematik lösen konnten fahren wir am kommenden Tag (man muss auch innerhalb der gebuchten 24 Stunden auf genau den gebuchten Straßen fahren) weiter zum 75 km langen Iskar-Durchbruch. In Lakatnik angekommen entscheiden wir uns spontan für eine Raftingtour durch dieses beeindruckende Naturschauspiel. Mit zwei Rafts geht`s los. Da der Iskar ordentlich Wasser führt macht die Tour zusammen mit zehn jungen, gutgelaunten Bulgaren richtig Spaß.

Nach einer Nacht zwischen den Felswänden und ein paar Seillängen in den unzähligen Kletterrouten fahren wir weiter nach Vratsa, schön gelegen an den Ausläufern des Balkangebirges. Direkt hinter der Stadt beginnt der Naturpark Vrachanski Balkan mit über 400 m hohen Kalksteinfelsen und einem weiteren großen Klettergebiet in Bulgarien. Auch hier gehen wir wieder klettern und erkunden eine Höhle in der Nähe.

Wieder einmal stehen wir mit unserem Fahrzeug in toller Umgebung, können zu Fuß zum Einstieg. Das ist schon Luxus.

Nachdem wir inzwischen zwei Paar reparaturbedürftige Kletterschuhe mit uns rum fahren machen wir uns auf die Suche nach einer Möglichkeit diese neu besohlen zu lassen. Direkt am Kletterfels finden wir ein Werbeschild mit einem Kletter-/Outdoorshop in Vratsa. Und was soll ich sagen? Wir haben den Shop tatsächlich gefunden.

Hinter der Tür mit dem Petzl-Schild verbirgt sich ein 1a-sortiertes kleines Outdoorgeschäft, das von der Kletterausrüstung über Merinosocken und Eisschrauben alles anbietet was das Kletter- und Bergherz begehrt, nur leider keinen Reparaturservice für die Kletterschuhe. Der sei, so die Auskunft vom Chefmechaniker und gleichzeitig Inhaber des Outdoorladens, in Sofia.

Natur, Kultur und das Meer

Glück gehabt! Auch wenn´s auf den ersten Blick nicht so aussieht, „unser“ Campingplatz in Starigrad-Paklenica hat geöffnet und so beziehen wir unser Quartier für die nächsten Tage direkt am Meer.

Wir nutzen die Gelegenheit um fit zu bleiben und joggen immer dem Meer entlang bis zu den Überresten einer Festung aus dem 16. Jahrhundert mit seinem Turm, dem Večka Kula. Mit so einem Läufchen am Morgen starten wir gut gelaunt in den Tag.

Nach einem kurzen Stop an einem kleinen Supermarket, in dem wir uns mit frischem Brot versorgen, fahren wir zum Nationalpark Paklenica im südlichen Velebit. Die tiefen Schluchten mit den steilen, rauhen Karstfelsen sind nicht nur schön anzuschauen sie sind zudem ein Eldorado für Kletterer mit zumeist kurzen Zustiegen. Auch hier ist im Vergleich zu „normalen Zeiten“, selbst am Wochenende und bei gutem Wetter schlichtweg nichts los und so können wir uns ungehindert unsere Routen aussuchen.

Zwischen den Klettertagen machen wir einen Ausflug nach Zadar. Mit der KTM können wir direkt an der Altstadt parken und so kommen wir bequem durch die „Nova Vrata“ in das historische Zentrum von Zadar, das mit zahlreichen Kirchen, schönen geöffneten Cafès und Geschäften aufwartet. Wir spazieren über die gepflasterten Straßen zur ehemaligen Zitadelle, besichtigen die beiden erhaltenen Stadttore und gehen an der Uferpromenade entlang um der Meeresorgel (Morske orgulje) zu lauschen, deren Töne durch die Wellenbewegung des Meeres erzeugt werden.

Die Tage lassen wir wahlweise in einem Restaurant am Hafen oder am Campingplatz ausklingen. Wo immer wir auch sind, die Abendstimmung am Meer ist toll und die Sonnenuntergänge sind durchaus das eine oder andere Foto wert.

Sonne, Felsen und die Seen

Die Sonne scheint. Wir nutzen die Gunst der Stunde und verlegen ins nächstgelegene Klettergebiet. Auf Höhe des südlichen Endes der Insel Rab fahren wir ein paar Kilometer eine kleine Bergstraße hinauf bis zum Ausgangspunkt.

Von hier aus erreichen wir zu Fuß die verschiedenen Sektoren. Das erste mal seit Monaten klettern und noch dazu am Fels. Einfach nur schön. Wie sehr haben wir das vermisst.

Nach zwei Klettertagen sind unsere kletterentwöhnten Hände vom rauhen Fels so empfindlich geworden, dass wir ihnen erstmal eine Pause gönnen wollen und so fahren wird zurück über Senj zum Pass Vratnik. Hier auf 698 m blicken wir nochmals zurück ans Meer,

bevor es am nächsten Tag weiter durchs verschneite Velebit zu den Plitwitzer Seen geht.

Auch hier an den Plitwitzer Seen ist es ausgesprochen ruhig. Wir teilen den berühmten Nationalpark mit nur wenigen Menschen und genießen die schöne Natur in aller Ruhe.

Zurück an die Küste geht´s auf neuer Route wieder durchs Velebit. Oberhalb von Karlobag übernachten wir sehr ruhig gelegen am Friedhof eines kleinen Bergdorfes.

Kolumbien Teil II

Die Temperaturen in Kolumbien hängen nicht wie bei uns von den Jahreszeiten ab. Jahreszeiten wie wir sie kennen gibt es in Kolumbien nicht. Es gibt zwei Regenzeiten die jedoch wenig Einfluss auf die durchschnittlichen Temperaturen haben. Abhängig von der Meereshöhe gibt es hier vier Klimazonen vom tropischen, oftmals feuchtheißen Klima bis hin zum hochalpinen Gletscherklima.

Projekt1

Außerdem gibt es eine kleine Wüste, die Desierto de la Tatacoa die wir auf keinen Fall auslassen wollten.

Tatacoa

Schön, dass wir wieder einmal eine Nacht in der Wüste verbringen können. Das Licht, die Ruhe, die karge Schönheit der Natur … einfach toll. Bevor uns die Hitze des Tages zu sehr trifft machen wir uns auf den Weg nach Bogotá.

Hier laufen die Vorbereitungen für den bevorstehenden Papstbesuch auf Hochtouren. So machen wir nur einen kurzen Rundgang durch das historische Zentrum bevor der Troubel so richtig beginnt.

Am Plaza de Bolivar

Wir können sogar einen kurzen Blick auf den Papst erhaschen 😉

Der Papst

Nördlich von Bogotá besuchen wir in Zipaquirá die Catedral del Sal. Eine riesige in eine Salzmine gebaute Kathedrale – 180 m unter der Erdoberfläche. Sie gehört zu den größten religiösen Bauwerken der Welt.

Catedral

Alles aus Salzgestein herausgearbeitet, der Kreuzweg, die Säulen, die unterschiedlichen Kreuze und Figuren … einfach alles.

Leonardo

Wie wir schon berichteten gibt es in Kolumbien einige Klettergebiete und wie wir zwischenzeitlich feststellen konnten sogar eine echte Kletterszene. Auf diese trafen wir in Suesca. Hier am leicht zugänglichen Kletterbereich hat man die Auswahl von etwa 400 Routen.

Suesca I

 

Ein Paradies für Kletterer, die sich die Zwischensicherungen noch selber legen können … Helmut ist in seinem Element. Wieder einmal bleiben wir einen Tag länger als geplant.

 

 

Erlebnisreiches Korsika

Unser Sommerabschlussevent führte uns dieses Jahr nach Korsika. Eine Woche klettern, der höchste Berg Korsikas und Canyoning standen auf dem Programm. Noch vor 4:00 Uhr ging´s los. Von Oberbayern, bei dichtem Schneetreiben über den Brenner nach Livorno.

Ankunft auf Korsika

Ankunft auf Korsika

Dort bei Sonnenschein auf die Fähre nach Bastia und spätabends weiter auf engen Bergstraßen nach Zonza unserem Stützpunkt auf Korsika.

Am nächsten Morgen konnte es losgehen: Insgesamt drei Klettertage lagen vor uns. Wunderbar griffiger Fels, keine abgespeckten Griffe und Tritte, den Fels bis auf die vielen flinken Eidechsen fast für uns alleine. Einfach schön. Wir kletterten am Col de Bavella und am Col de la Tana Einseillängen und Mehrseil- längenrouten und das alles in wunderschöner Umgebung.

Klettern am Col de Bavella - Korsika

Klettern am Col de Bavella – Korsika

Seit einigen Jahren haben wir es uns zum Ziel gemacht den jeweils höchsten Berg der Länder/Regionen zu besteigen die wir bereisen. Am Dienstag führte uns daher die Fahrt in mehreren Stunden über die Insel nach Lozzi dem Ausgangsort für die Besteigung des Monte Cinto (auf korsisch: Mt Cintu). Ab Lozzi stiegen wir zunächst zum Refuge de l’ecru auf.

Gut, dass es inzwischen eine neue Hütte gibt

Gut, dass es inzwischen eine neue Schutzhütte gibt – hier rechts die „Alte“

An der Selbstversorgerhütte angekommen mussten wir feststellen, dass diese bereits winterfest gemacht wurde. Sie war zwar offen aber das Wasser war abgedreht, es gab keine Tassen oder Gläser, keine Decken im Lager, die Toiletten waren abgesperrt… Davon ließen wir uns jedoch nicht abschrecken. Wir wussten uns zu helfen. Heizten erst mal ordentlich ein, spülten eine Pfanne und einen Topf im Bach, holten von dort Wasser und richteten uns gemütlich ein. Bei Kerzenlicht und im Schein unserer Stirnlampen verbrachten wir einen urigen Hüttenabend.

Ein Hüttenabend auf der Refuge de l`ecru

Ein Hüttenabend auf dem Refuge de l`ercu

Nachts pfiff der Wind um die Hütte, es regnete immer wieder, aber am nächsten Morgen wurde das Wetter zunehmend besser. Zwar war der Gipfel beim Abmarsch immer noch in Wolken und der Wind war in Böen teilweise so stark, dass es einen fast umwehte, aber die Sonne setzte sich mehr und mehr durch. Bei strahlendem Sonnenschein und warmen Herbstwetter standen wir nach etwa drei Stunden Aufstieg auf 2.706 m, dem höchsten Punkt Korsikas.

Monte Cinto - Mt. Cintu

Am Gipfel des Monte Cinto – Mt. Cintu 2.706 m

Dort, vom Gipfel des Monte Cinto aus hat man einen wunderbaren Blick über die Insel, die umliegenden Berge, auf´s Meer und bis nach Elba.

Ja und dann war da noch unsere Canyoningtour im Polischellu. Ein wunderschöner Bachlauf mit zahlreichen Kaskaden,  kristallklaren Gumpen, schönen Abseilstellen und Rutschen.

Canyoning im Polischellu

Canyoning im Polischellu

Dies war nicht nur unsere erste Schlucht auf Korsika. Für die eine oder den anderen von uns war es die erste Canyoningtour, für Helmut eine ganz besondere Premiere: Seine erste selbstgeführte Canyoningtour nach Bestehen seiner Ausbildung zum staatlich geprüften Canyoningguide.

Natur pur, wunderschöne Felsformationen, am Wegesrand wilde Hausschweine, Wildschweine, Füchse, Ziegen … all das müssen wir nun hinter uns lassen.

Natur pur

Natur pur

Wir hatten im Vorfeld lange überlegt nach Korsika zu fahren. Lohnt es sich wirklich die weite Fahrt für die paar Tage auf sich nehmen? Längst sind wir uns alle einig. Ja, es lohnt sich! Und wer weiß, vielleicht fahren wir in ein paar Jahren wieder dort hin.

Eisklettern bei arktischen Verhältnissen

An einem der kältesten Tage diesen Jahres machten sich ein paar unerschrockene Alpinisten frühmorgens auf den Weg, um auf der Schattenseite des Berges zum Eisklettern zu gehen. Da gefrorene Wasserfälle trotz der Kälte der letzten Tage in diesem Winter noch sehr rar sind war die Auswahl nicht gerade groß. Kurzfristig fiel die Wahl auf den Gasthausfall WI 2/3 im Sellrain. Hier war es einfach am Kältesten. Frostige -24 Grad erwarteten uns.

Gasthauswasserfall im Sellrain

Kälte hin oder her. Wir wollten klettern. Schnell rein in die Klettergurte und Steigeisen, Helm auf und ran an den Wasserfall. Nach ein wenig „Eisbouldern“ zum Gewöhnen an Steigeisen, Eisgeräte und Eis war zunächst erst noch etwas Theorie angesagt.

Bergführer René in Action

Bergführer René in Action

Wir bekamen die verschiedenen Eisgeräte erklärt, noch ein paar Tipps zur richtigen Handhabung der Geräte und zur richtigen Tritt- und Steigtech- nik. Nachdem unser Bergführer die Topropes eingerichtet hatte, durften sich alle austoben.

Eisklettern

Am eisigen Wasserfall

Am frühen Nachmittag begannen die Ersten in die Wärme des Gasthauses zu flüchten. Nach und nach folgte einer nach dem anderen, bis am Ende nur noch die ganz Harten der Kälte trotzten. Trotz der eisigen Temperaturen war es mal wieder ein wunderbarer Outdoortag.

„Wandläufer“ am Lago Maggiore

Freitagmorgen. Es ist soweit. Wir starten in ein verlängertes Wochenende zum Seilschaftsklettern am Lago Maggiore. Ein für uns neues Kletterrevier wartet auf uns. Über München und Lindau, am Bodensee und an Lichtenstein vorbei geht es in die italienische Schweiz ins Maggiatal im Kanton Tessin.

Bei Traumwetter stiegen wir in eingespielten Teams in die ersten Routen ein, lernten den angenehm griffigen Fels kennen und gewöhnten uns wieder an das Klettern im Plattengelände. In diesem Gelände mit überwiegend sehr klein- griffigem Fels ist solides Reibungsklettern gefragt. Eine gute Fußtechnik verbunden mit einer idealen Verlagerung des Körperschwerpunktes ist hier unerlässlich. Es kostet immer wieder Überwindung, ohne festen Halt mit den Händen weiter die Wand hoch zu steigen. Aber im Laufe der Zeit gewöhnten wir uns alle daran.

Wie gut unsere Kletterschuhe tatsächlich halten, konnten wir bei unserem selbstkreierten Wettbewerb „Wandläufer“ erleben. Ziel dieses Spiels war es ohne Wandberührung mit den Händen so weit wie möglich die Wand hoch zu gehen. Was für ein Spaß! Alle waren hochmotiviert, schließlich sollte der beste Wandläufer mit einem Aperol Sprizz belohnt werden. Nochmals Glückwunsch an die Siegerin!

Auch beim Vorstiegsklettern konnten wir uns innerhalb der Seilschaften zum Teil deutlich steigern. Bei einer Kletterpartnerin ist der sprichwörtliche Knoten geplatzt. Souverän stieg sie Seillänge um Seillänge vor. Respekt!!! Dies ging sogar soweit, dass ihr Kletterpartner, der bisher meist den Vorstieg (also das wahre Klettern) übernehmen durfte, weniger vorsteigen konnte als sie. Hoffentlich führt dies nicht dazu, dass sich unsere routinierten Vorsteiger künftig im Nachstieg langweilen und sich nach und nach neue Kletterpartner suchen.

Viel zu schnell ging der gemeinsame Kurzurlaub am warmen Fels zu Ende. Wunderbare Tage, an denen wir ausschlafen, das Gefühl der Freiheit beim Klettern erleben, wieder neue Kraft für den Alltag tanken und laue Abende bei gutem Essen und dem einen oder anderen Aperol Sprizz genießen konnten, liegen hinter uns.