„Hochtour“ auf 1.316 m

Bergsteigen in Ushuaia … eine neue Erfahrung. Unsere erste Bergtour führte uns auf den 973 m hohen Cerro Guanaco. Der schöne Weg verläuft zunächst am Lago Roca entlang.

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Der erste Teil des Anstieges erfolgt durch einen sogenannten kalten Regenwald später weiter durch ein Hochmoor mit ordentlich Matsch und Schlamm. Die letzten Höhenmeter geht es überhalb der Waldgrenze auf gut gehbarem Schotter zum aussichtsreichen Gipfel. Leider blieb uns die erwartete Aussicht auf den Beaglekanal verwehrt. Wie so oft waren die Gipfel wolkenverhangen. Dazu kam ein heftiger Wind und Graupelschauer und das im Sommer auf gerade mal 900 m.

Unsere nächste Bergtour führte uns auf den 1.316 m hohen Cerro Martial. Von Wanderung kann hier keine Rede mehr sein. Bereits auf etwa 800 m heißt es Steigeisen anziehen und anseilen.

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Ab jetzt geht es ca. 400 Höhenmeter zum Teil steil bergauf über den Gletscher bis zum Sattel. Die Spur müssen wir selber legen. Markierungen, angelegte Steige oder gar Sicherungen? Fehlanzeige! Den Weg zum Gipfel müssen wir uns ebenfalls selber suchen. Nach einigen Querungen auf abschüssigem Schottergelände, Klettereien (I – II) über brüchigen Fels, über Köpfe und Grate erreichen wir schließlich den Gipfel. Die Aussicht ist grandios.

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Kein Gipfel höher als 1.500 m

Auf Ushuaia, den Beagle Kanal, zahlreiche andere Berge, Gletscher und über den Nationalpark Tierra del Fuego. Zurück geht es auf dem Aufstiegsweg, den wir uns vorsichtshalber mit Stoamandl und diversen anderen Zeichen markiert hatten.

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Kaum zu glauben wie anspruchsvoll ein etwa 1.300 m hoher Berg sein kann – eine Höhe, auf der in den Alpen noch Almen bewirtschaftet werden.

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Auf Skihochtour unter südlicher Sonne

Frühjahr 2011: Es begann mit einer spontanen Idee gerade mal zwei Tage vor Beginn des geplanten Skitourenwochenendes. Es folgte eine kurze Absprache zwischen den Teilnehmern. Dann noch eine freundlich formulierte Information an die Organisatoren. Schon war die Skihochtour im winterlichen Stubaital gestrichen und wir fuhren an den Gardasee. Tagsüber waren wir unter der süd- lichen Sonne Italiens klettern, abends gab es Pizza, Rotwein und Aperol Sprizz. Ein Traumwochenende in der Frühlingswärme des Südens.

Frühjahr 2011 am Gardasee

Frühjahr 2012: Weil´s letztes Jahr so schön war, verfolgten wir dieses Jahr einen ähnlichen Plan. Aber diesmal ließ ER sich nicht überreden. Schließlich steht unsere Bolivienreise vor der Tür. Hier seien Ausdauer und Gletschererfahrung einfach wichtiger als Klettern, so seine Argumente. Darüber hinaus war der Wetterbericht, zumindest für den südlichen Alpenraum, sehr gut.
Wir beschlossen einzulenken. Stand uns doch auch so ein Wochenende unter der Sonne Italiens bevor.

Frühjahr 2012 im Martelltal

Als Stützpunkt für unsere geplanten Touren wählten wir die Marteller Hütte im südlichen Vinschgau. Diese gemütliche Hütte auf 2.610 m am Ende des Martell- tales mit seinen ausgesprochen freundlichen Hüttenwirten bot uns einen idealen Ausgangspunkt für unser Skitourenwochenende.

Marteller Hütte - Blick von der Hütte auf die Zufallspitzen

Besonderes Highlight war die Tour auf die südliche Zufallspitze. Aufgrund der geringen Schneehöhe auf der Alpensüdseite bot uns die Zufallspitze mit 3.757 m fast das gesamte Spektrum des Skibergsteigens. Im oberen Bereich des Gletschers war technisch ausgereiftes Gehen auf Skiern gefragt, da der Aufstieg in Seilschaften über spaltenreiches und teilweise stark vereistes Gelände erfolgte. Ohne Skier ging es bei zunehmend schlechterer Sicht auf Schnee und Fels über einen Grat weiter bis zum Gipfel. Aufgrund der überraschend schlechten Wetterlage verzichteten wir auf eine Gipfelrast und stiegen angeseilt mit Steigeisen und Pickel in der Hand bis zu unserem Skidepot ab.

Zufallspitze im oberen Drittel

Dann kam sie, die besondere Herausforderung. Aus Sicherheitsgründen mussten wir über den oberen Gletscherabschnitt angeseilt abfahren. Die meisten von uns hatten so etwas noch nie gemacht und hatten entsprechend viel Respekt vor dem, was hier auf uns zukam.
Die Entscheidung angeseilt abzufahren, war mehr als gerechtfertigt, kam es doch bei der Abfahrt tatsächlich noch zu einem Spaltensturz. Davon mal abgesehen, war die Abfahrt am Seil ein riesengroßer Spaß. Die zweite Seilschaft lief im Laufe der Abfahrt zur Höchstform auf, so dass sie am Ende der Abfahrt am Seil noch parallel wedelnd an der ersten Seilschaft vorbeifuhr.

Abfahrt am Seil

Bevor wir auf teilweise besten Powderhängen zurück zur Hütte fuhren, blickten wir noch mal zurück auf den Gipfel, der jetzt, gerade mal eine ¾ Stunde nachdem wir oben waren, wieder im strahlenden Sonnenschein vor uns stand.

Viel zu schnell vergingen die Tage am Berg. Aufgrund der Wärme der ver- gangenen Tage mussten wir die letzten Höhenmeter zurück ins Tal wir wie die Störche im Salat von Schneerestinsel zu Schneerestinsel staksen.

Dieses sonnige aber auch anspruchsvolle Tourenwochenende macht Lust auf mehr. Wir hoffen noch auf weitere schöne Skitouren, bevor die diesjährige Tourensaison zu Ende geht.

Auf anspruchsvoller Route auf den Mont Blanc

Dank unserer individuellen Vorbereitungstouren und der gemeinsamen Tour auf den Gran Paradiso konnten wir am 22.08.2011 gut akklimatisiert von Chamonix  mit der Seilbahn bis auf 3.842 m zur Bergstation „Aiguille du Midi“ auffahren. Von dort aus waren es nur noch etwa 45 Minuten bis zu unserer Unterkunft, dem „Refuge des Cosmiques“.

Die Hütte, auf einer Felskuppe mitten in der Gletscherwelt des Mont-Blanc-Massives, ist nicht gerade luxuriös ausgestattet und war reichlich voll. Für die ganze Hütte mit einer Kapazität von etwa 150 Bergsteigern gibt es gerade mal ein Waschbecken und … nein, über die Toilettensituation möchte ich hier nicht berichten.

Nach längerem Studium diverser Wettervorhersagen sowie einigen Diskussionen mit der Hüttenwirtin und anderen Bergführern beschlossen wir aufgrund der Wettersituation, entgegen unserer ursprünglichen Planung, bereits am Dienstag in Richtung Gipfel aufzubrechen. Wir wollten zeitig losgehen um nicht unter Zeitdruck zu geraten. Daher: Wecken um 2:30 Uhr, ein kurzes Frühstück, die bereits gepackten Rucksäcke schnappen, fertig anziehen, anseilen, Stirnlampe an und schon konnte es losgehen.

Zuerst noch recht flach, dann immer steiler werdend stiegen wir in der Dunkelheit über einige größere Gletscherspalten in Richtung Mont Blanc du Tacul auf, den wir links liegen ließen. Bei wunderschöner Morgenstimmung ging es stetig bergan am Mont Maudit vorbei, weiter über den sich steil auf- schwingenden Gletscher …

zur Schlüsselstelle dieser Route, einer etwa 50 Grad steilen und ca. 60 Meter langen Eiswand, die es zu überwinden galt. Dank unserer Bergführer, die hier wieder einmal ihr Können unter Beweis stellten, an dieser anspruchsvollen Stelle vorstiegen und uns nachsicherten, konnten wir auch diese schwierige Passage bestens gesichert überwinden.

Noch lagen einige Stunden Marsch vor uns. Dann war es endlich soweit, der Höhenmesser zeigte die magische Zahl 4.810 m an. Ja, wir hatten es geschafft!!! Wir standen auf dem höchsten Punkt Europas (außer man rechnet den Kaukasus zu Europa – dann ist es nur der höchste Punkt Frankreichs).

Eine kurze Pause, ein paar Erinnerungsfotos und schon mussten wir uns auf den Rückweg machen. Den ganzen Weg zurück über die steile Eiswand, den steil abfallenden Gletscher, die Spalten bis zur Hütte. Immer hochkonzentriert am straffen Seil gehen. Bloß keinen Fehler machen. Ganz schön anstrengend!

Etwa eine Stunde vor dem Refuge des Cosmiques kam eine Seilschaft noch zu einer ungewollten Pause. Direkt vor ihnen gab es einen Rettungseinsatz per Hubschrauber. Zum Glück keiner aus unserer Gruppe. Aber an ein Vorbeikommen an der Unfallstelle war aufgrund der Spaltensituation nicht zu denken. Also hieß warten. Nach einem für uns alle sehr beeindruckenden Tag auf dem Gletscher trafen wir uns gesund aber müde auf der Hütte wieder.

Nach dem Abendessen stand noch die Tourplanung für den nächsten Tag an. Aber irgendwie war die Luft raus. Wollten wir nach diesem harten Tag wirklich eine weitere Tour anhängen? Wie wäre es mit einem Ausbildungstag? Kameradenrettung mittels der Losen Rolle an einer echten Spalte, Flaschenzug, Selbstrettung aus einer Spalte…! Einige überlegten vorzeitig nach Hause zu fahren. Da wir uns nicht einigen konnten, verschoben wir die Entscheidungs- findung auf den nächsten Tag. Jetzt wollten wir erst mal schlafen.

Am nächsten Morgen dann das überraschende Ergebnis. Die Mehrheit wollte nach Hause fahren. Schade eigentlich, aber … O.k.

Auf dem Rückweg zur Bergstation wartete eine letzte Herausforderung auf uns. Wir mussten den schmalen Grat zurück zur „Aiguille du Midi“ überwinden. Dieser ist teilweise gerade mal breit genug um die Steigeisen aneinander vorbei zu bekommen. Rechts ging´s hunderte von Meter hinab in Richtung Chamonix, links nicht ganz so weit auf den Gletscher. Aber auch diese Hürde meisterten wir.

Noch ein letztes Mal die Aussicht auf die gewaltigen Gletschermassen genießen und schon endete unser Abenteuer Mont Blanc.

Fazit:
Eine traumhaft schöne aber sehr anspruchsvolle Tour mit einer harmonischen Gruppe liegt hinter uns. Wir können stolz sein auf unsere Leistungen. Unser besonderer Dank gilt Michael Höglauer und Christian Brüderl, die uns mit ihrer ruhigen und kompetenten Art sicher führten. Wir hoffen bald wieder einmal mit Euch unterwegs sein zu können.

Gran Paradiso – auch wir waren oben

Die Wettervorhersagen waren nach dem doch etwas mäßigen Sommer erfreulicherweise sehr vielversprechend und so trafen wir uns alle am 20.08.11 um 5:00 Uhr in Haag zur gemeinsamen Abfahrt nach Pont. Wirklich alle? Nein, zwei sollten ja unterwegs aufgesammelt werden. Trotzdem fehlte noch einer. Wo war er nur? Ein kurzes Telefonat, dann das Ergebnis: Verschlafen! Ist nicht schlimm, wir sind schließlich nicht nachtragend  –  C. nochmals vielen Dank für den Rotwein!

Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von gefühlten 30 Grad stiegen wir nach unserer Ankunft in Pont die 800 Höhenmeter auf dem bestens präparierten Weg zum Rifugio Vittorio Emanuele II auf, auf dem wir übernachteten.

Nach einem spärlichen Frühstück begannen wir am nächsten Tag gegen 4:30 Uhr mit unserem Aufstieg auf Italiens höchsten Berg. Zunächst ging es, noch in der Dunkelheit, längere Zeit weglos über verblocktes Gelände bis zum Beginn des Gletscherausläufers. Hier hieß es Steigeisen anziehen, anseilen und schon konnte es weiter gehen.

Über den Gran-Paradiso-Gletscher stiegen wir in einem weiten Bogen hinauf bis kurz unter den Gipfel. Die letzten Meter zum Gipfel führen über einen Blockgrat mit überraschend luftiger Kletterei. Aber zunächst blieb uns das Gipfelglück noch verwehrt. Für uns hieß es erstmal: Hinten anstehen! Der Gipfel war schlichtweg überfüllt.

Bereits nach wenigen Minuten konnten wir einsteigen und bald darauf standen wir bei der Madonna auf dem Gipfel des Gran Paradiso, der mit 4.061 m der höchste Berg Italiens ist. Ein interessanter Gipfelaufbau – wie mit Bauklötzen aufgeschichtet!

Auf dem gleichen Weg ging es zurück zum Rifugio, auf dem wir uns erst mal ein paar Stunden Ruhe gönnten. Möglichkeiten hierfür gab es genug. Ein kleines Nachmittagsschläfchen auf Stube, ein Sonnenbad am kleinen See direkt bei der Hütte oder ein Spaziergang zu einem der Wasserfälle in der Umgebung.

Vor dem Abendessen übten wir in Vorbereitung auf die bevorstehende Gletschertour auf den Mont Blanc noch die Spaltenbergung (Lose Rolle bzw. Selbstrettung mittels Prusik in Raupentechnik).

Nach dem Frühstück stiegen wir wieder ab und machten uns auf den Weg nach Chamonix. Da wir wussten, dass das Frühstück in diesem Bereich der Alpen regelmäßig spärlich ausfällt gingen wir noch kurz einkaufen um unsere Vorräte aufzustocken. Sogar für einen Cappuccino in einem Cafè hatten wir noch Zeit. Mit der Fahrt durch den Mont-Blanc-Tunnel verließen wir Italien.
Damit endete unsere Tour auf den Gran Paradiso, die gleichzeitig als Vorbereitungs- und Akklimatisationstour für die direkt im Anschluss geplante Besteigung des Mont Blanc diente.

Unser nächstes Ziel ist schon seit Tagen in Sicht. Mont Blanc wir kommen!

Piz Palü + Piz Bernina 2011 – oder doch lieber die Marmolada?

Der Piz Palü mit 3.901 m und der Piz Bernina mit 4.049 m der einzige 4000er der Ostalpen stehen auf dem Programm.

Pünktlich um 07:00 Uhr starten die 6 Bergsteiger in Haag. Weiter geht die Fahrt über Rosenheim (dort steigen die Bergführer Markus Beck und Michael Höglauer zu), Innsbruck, Landeck  bis Pontresina in der Schweiz und von dort bis zum Parkplatz der Diavolezza Talstation auf 2.093 m.

Der Aufstieg zur Diavolezza auf 2.973 m dauert etwa 3 Std. Vor dem Abendessen noch mal die lose Rolle und das gehen am kurzen Seil zur Vorbereitung den Piz Palü und Piz Bernina üben und schon kann´s am Freitag losgehen.

Über den Gletscher Vadret Pers von Ost nach West zum Piz Palü, die traumhafte Aussicht genießen und weiter über die Bellavistaterrassen hinüber zur Marco e Rosa Hütte auf 3.597 m. Abends ein 3-Gänge Menü und Rotwein.

Am Samstag in gerade mal 2 Std. über den Spallagrat zur Piz Bernina. Etwa 5 Std. Abstieg über die Bellavistaterrassen und den Fortezzagrat zur Diavolezza. Eine zweite Nacht auf der Diavolezza. Am Sonntag ein ausgiebiges Frühstück am reichhaltigen Buffet, der Abstieg zum Parkplatz und die Fahrt zurück nach Haag.

So der Plan!

Die Realität sah etwas anders aus. Bereits beim Aufstieg auf die Diavolezza regnete es. Entgegen der Vorhersagen des Innsbrucker Wetterdienstes, der das Bergwetter für Touren und Expeditionen auf alle Berge dieser Welt liefert, war das Wetter schlicht und ergreifend schlecht. Wie sollte es weiter gehen? Wird das Wetter vielleicht doch noch besser? Was wenn nicht? War ein Gipfelerfolg bei diesem Wetter überhaupt möglich? Nach einer demokratischen Abstimmung stand der Entschluss fest. Umplanen war angesagt! Am Freitag Vormittag stieg die Gruppe wieder zur Diavolezza Talstation ab.

Ein Blick ins Internet eine kurze Diskussion, dann …

Die Entscheidung war gefallen. Es sollte nach Südtirol gehen. Das neue Ziel: Die Marmolada. Übernachtet wurde in einer Pension in Canazei.

Am Samstag früh begann der Einstieg in die Tour. Zunächst ging es durch Felsgelände im I. – II. Schwierigkeitsgrad und dann über den Gletscher zum Gipfel der Marmolada auf 3.342 m.

Eine fordernde und durchaus anspruchsvolle Ersatztour, halt leider kein 4000er! Aber die beiden Seilschaften nahmen dies gelassen. Sie hatten das Beste aus der Situation gemacht.

Letztendlich war das Wochenende dank der Flexibilität aller ein voller Erfolg.