Elbrus mit Ski + Schneeschuhen

Die Besteigung des Elbrus war schon seit Jahren das erklärte Ziel von Helmut. Dieses Jahr Anfang Juni war es soweit. Unsere diesjährige Bergsteigerreise führte uns nach Russland. Genauer gesagt in den Kaukasus.

Elbrus Juni 2014

Elbrus Juni 2014

Bereits die Erlangung einer Einreisegenehmigung war ein kleines Abenteuer. Was wir nicht alles an Angaben machen bzw. vorlegen mussten. Zudem mussten wir persönlich bei der Botschaft vorsprechen und erst bei einem zweiten Termin erhielten wir unser Visum. Bei der Anreise ging es dann weiter. Es folgten strenge Kontrollen am Flughafen insbesondere unserer ABS-Rucksäcke. Und selbst im Airbus hatten wir das Gefühl unter Beobachtung zu stehen. Einer der Stuarts, vermittelte eher den Eindruck eines Aufsehers als den einer Servicekraft – ein Bulle von einem Mann mit einem Blick … jedenfalls traute sich keiner von uns um einen Nachschlag von Essen und Getränken zu fragen. Über Moskau ging´s, natürlich mit strengen Kontrollen, weiter nach Mineralnyje Wody im Kaukasus wo uns Liza Pahl bereits erwartete. Liza, Tourguide und Co-Autorin des Outdoorführers Russland: Elbrus, ist aus Deutschland, lebt seit Jahren in Russland und führt dort eine Reiseagentur.

Russland: Elbrus - Outdoorhandbuch

Russland: Elbrus – Outdoorhandbuch mit Liza Pahl

Ihre E-Mail-Adresse hatten wir dem Outdoorführer entnommen, der neben vielen nützlichen Informationen rund um den Elbrus auch eine Vielzahl wichtiger Kontaktdaten enthält. Wer Liza anschreibt darf sich nur nicht davon verunsichern lassen, wenn die Anfrage erstmal unbeantwortet bleibt. Liza ist immer viel unterwegs, daher kann es schon mal die eine oder andere Woche dauern, bis man eine Antwort erhält. Dafür ist sie vor Ort immer für einen da. Mit ihrer Unterstützung, insbesondere Dank ihrer sehr guten Orts- und Sprachkenntnisse, sowie ihren guten Beziehungen waren wir bestens für unser Unternehmen gerüstet.

Die ersten Tage nutzten wir um uns zu akklimatisieren und uns an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen. Von Terskol aus unternahmen wir eine erste Tour in das idyllische Iriktal, das als eines der schönsten Täler im Elbrusgebiet gilt. Diese und diverse andere Touren werden im Outdoor-Handbuch Russland: Elbrus vorgestellt und beschrieben. Eine weitere Tour führte uns auf den kleinen Tscheget.

Kleiner Tscheget

Kleiner Tscheget

Die ersten Höhenmeter überwanden wir mit Hilfe eines nicht ganz modernen Sessellifts ohne Sicherheitsbügel und Fußstützen. Von der Bergstation aus ging´s dann zu Fuß weiter durch Fels und Schnee bis zum 3.461 m hohen Gipfel mit Blick auf den Elbrus. Abends noch Ausrüstungscheck und packen für die Tage am Berg.

Mit Gondel und Pistenraupe fuhren wir mit jeder Menge Ausrüstung zu unserem „Basecamp“ auf etwa 3.700 m, ein einfaches Containerlager mit Plumpsklo.

Auf zum Basecamp

Auf zum Basecamp

Dank eigener Köchin war das Essen hier am Berg jedoch deutlich besser als im Tal. Zur besseren Akklimatisation stiegen wir noch bis zur Prijut, einem alten verfallenen Kesselhaus auf 4.100 m auf. Zwei Bergsteiger unserer Gruppe wollten den ganzen Aufstieg zum Elbrus aus eigener Kraft bewältigen. Die beiden verzichteten daher auf den Komfort der Seilbahn und stiegen mit Hilfe einer von Liza gezeichneten Karte vom Tal aus auf.

Die kommenden Tage waren gekennzeichnet von wechselhaftem Wetter, Wind und schlechter Sicht bis hin zum Whiteout. Wir nutzten die Zeit für weitere Akklimatisationstouren, Gletscherausbildung, Ausrüstungspflege usw. Dazwischen waren regelmäßig die Wege zum Lager und zur Toilette frei zu räumen und Schnee für die Küche ranzuschaffen. Nachdem nun endlich eine Wetterbesserung in Sicht war beschlossen wir am 17. Geburtstag von Helmut jun. in das alte Kesselhaus zu verlegen. Am nächsten Morgen gegen 3:45 Uhr begann der lange kalte Aufstieg zum Gipfel.

Abseits der Pistenraupen

Abseits der Pistenraupen

Bei Windgeschwindigkeiten von etwa 60 kmh eine nicht gerade angenehme Angelegenheit, zumal man ständig damit rechnen musste von Pistenraupen und Skidoos überfahren zu werden. Am Elbrus hat es sich eingebürgert, sich bis bis zu den Pastuchow-Felsen auf etwa 4.700 Hm bzw. bei guten Bedingungen bis 5.000 Hm fahren zu lassen um so die Gipfeletappe zu verkürzen. Für uns kam dies nicht in Frage, wir wollten die fehlenden 1.550 Hm aus eigener Kraft bewältigen. Mit Skiern bzw. mit Steigeisen kämpften wir uns gegen Wind und Kälte unserem Ziel entgegen. Gegen 14:00 Uhr war es so weit.

Am Gipfel des Elbrus - 5.642 Meter über dem Meer

Am Gipfel des Elbrus – 5.642 Meter über dem Meer

Wir standen am Gipfel des Elbrus auf 5.642 m über dem Meer. Leider nicht vollzählig. Einer unserer Bergkameraden musste auf 4.800 Hm umdrehen. Dank eingeplanter Reservetage konnte er drei Tage später unter der Führung von Liza Pahl einen erneuten Versuch starten und erreichte erfolgreich den Gipfel. Damit waren alle Teilnehmer auf dem höchsten Punkt Europas – zumindest wenn man sich der Meinung anschließt, dass der Kaukasus zu Europa zählt – kleine Anmerkung der Autorin 😉

Zwischen einem Ausflug zu einem nahegelegenen Stausee, kleinen Einkäufen und einer Stadtführung in Pjatigorsk musste unser Gipfelerfolg selbstver- ständlich gebührend gefeiert werden.

Die Bergsteigerbar in Terskol

In der Bergsteigerbar von Terskol

Dank diverser Vier- bzw. Fünftausender-Runden (traditionell zahlt der Bergsteiger für das erstmalige Überschreiten jeder 1.000er Höhenlinie eine Runde an seine Bergkameraden), dem einen oder anderen Geburtstag und einem Namenstag gingen uns Krimsekt und Elbrusbier nicht aus. In einer von einem Everestbesteiger geführten Bar in Terskol hängten wir zur Erinnerung an unseren Gipfelerfolg vor unserer Heimreise noch eine von Anton gestiftete Bayernfahne mit unseren Unterschriften auf.

Diverse Kontrollposten und ein vergessenes Handy später (auf nähere Erläuterungen an dieser Stelle wird aus datenschutzrechtlichen Gründen verzichtet) landeten wir wohlbehalten in München.  Schee war´s!

Dieser Artikel entstand mit Unterstützung von Benno´s „kleinem Tagebuch“, Helmut sen. Aufzeichnungen und den Bildern von Anton, Benno, Kirstin, Markus, Roland und Ulla.

Elbrus

Unsere diesjährige Bergsteigerreise führt uns nach Russland. Genauer gesagt auf den Elbrus im Kaukasus der, je nach Betrachtungsweise, gerade noch in Europa oder schon in Asien liegt. Die Meinungen hierzu gehen auseinander. Innerhalb der weltweiten Bergsteigerszene jedoch gilt der Elbrus mit seinen 5642 m Höhe als der höchste Berg Europas und zählt folglich zu den Seven Summits. Damit ist dies der dritte Seven Summit, den wir nach dem Kilimanjaro und dem Aconcagua in Angriff nehmen.

Auf zum Elbrus

Zusammen mit Elisabeth Pahl Co-Autorin des Outdoor-Handbuches „Russland: Elbrus“ machen wir uns Mitte Juni mit Skiern bzw. Schneeschuhen auf den Weg zum Gipfel.

Ergänzend zu den eigenen Vorbereitungen trafen wir uns Mitte Mai im Ötztal um einander näher kennen zu lernen, die letzten Absprachen zu treffen und natürlich um gemeinsam auf Tour zu gehen.

Auf Vorbereitungstour im Ötztal

Auf Vorbereitungstour im Ötztal

Der Schnee war mäßig (Ski und Schneeschuhe mussten die ersten 700 Höhenmeter getragen werden), das Wetter war auch nicht der Hit, aber das tat der Sache keinen Abbruch. Gemeinsam losziehen, trainieren und die Natur genießen das war die Devise.
Es sind schließlich nur noch drei Wochen, dann geht´s los in den Kaukasus am Rande Europas oder doch Asiens?

 

Abenteuer Bolivien – Nevada Sajama

Zurück in La Paz hatten wir kaum Zeit unseren Ancohuma Gipfelerfolg zu feiern. Zumindest galt dies für Helmut und für mich. Unser Tag war ausgefüllt mit der Organisation der Tour auf unseren dritten 6.000er. Diesen wollten wir auf eigene Faust und ohne Unterstützung durch örtliche Hilfskräfte erobern. Zelt, Kocher, Eispickel, Seil … mussten organisiert werden. Dann folgte noch das übliche Packen, wobei wir diesmal das Gepäck auf das absolute Minimum reduzieren mussten, schließlich hatten wir für diese Tour keinen Träger vorgesehen.

Aber vorher stand noch die Befahrung der Death Road (spanisch: el camino de la muerte) auf dem Programm.

Death Road und die Pflanzenpracht der Yungas

Diese nicht befestigte einspurige Verbindungsstraße zwischen La Paz und Coroico führt ohne Leitplanken an steilen Abhängen entlang und galt bis zum Bau einer Umgehungsstraße als die gefährlichste Straße der Welt. Eine traumhaft schöne Fahrt von der kargen Landschaft am La Cumbre Pass in den feucht- warmen Regenwald der bolivianischen Yungas.

Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege. Helmut und ich fuhren nach Sajama, dem Ausgangsort für die Besteigung des Nevado Sajama während der Rest der Gruppe zurück nach Deutschland flog.

Nur neun Tage nachdem wir unseren ersten Gipfelerfolg feiern konnten, begannen wir mit dem Anstieg auf den höchsten Berg Boliviens mit 6.542 m. Bereits der Aufstieg ins Basislager stellte sich als äußerst mühsam heraus.

Auf zum Basecamp Nevado Sajama

Nicht, weil der Weg so lang und schwierig war, die Ursache war auch nicht im sehr schweren Gepäck zu suchen. Nein, der wesentliche Grund war die offensichtlich nicht ausreichend lange Regeneration zwischen den einzelnen Touren.

Nach einer Nacht im sonst menschenleeren Basislager fühlten wir uns jedoch wieder fit genug um ins Hochlager zu verlegen. Leider mussten wir bald feststellen, dass wir immer noch sehr müde waren. Der heutige Marsch war wieder äußerst beschwerlich. Meter um Meter kämpften wir uns unserem Tagesziel entgegen. Immer öfter mussten wir eine Pause einlegen. Noch vor Erreichen des Hochlagers trafen wir schweren Herzens die Entscheidung auf einen Gipfelversuch am kommenden Tag zu verzichten zumal wir wussten, dass wir uns im Hochlager auf 5.700 m nicht mehr regenerieren konnten (auf Höhen von über 5.500 m ist eine Regeneration nicht möglich, weshalb es keine menschlichen Siedlungen über dieser Höhe gibt).

Hochlager am Abgrund

Und so ausgepowert wie wir waren, war uns ein Gipfelversuch zu gefährlich. Auf dem Weg zum Gipfel hätten wir noch eine technisch anspruchsvollere Passage an einer sehr ausgesetzten Stelle überwinden müssen. Ein Fehler an dieser Steilwand hätte zu einem Absturz von mehreren Hundert Meter führen können. Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen.

Nevado Sajama – Abschied

Nach einer langen, kalten Nacht auf 5.700 m mussten wir unseren Traum, drei 6.000er in zwei Wochen zu besteigen, begraben. Den Aufstiegsweg entlang stiegen wir durch kniehohen Büßerschnee bis ins Tal ab und marschierten hier noch ein paar Kilometer bis zu den heißen Quellen in Sajama Nationalpark in denen wir uns ein ausgiebiges Entspannungsbad gönnten. Mit Blick auf Nevado Sajama im Hintergrund genossen wir das warme Bad.

Durch den Büßerschnee bis zu den heißen Quellen

Den Gipfel unseres dritten 6.000ers erreichten wir leider nicht mehr. Aber das können wir verschmerzen. Viel zu schön war unsere Zeit in Bolivien. Die Trekkingtour, die Bergerlebnisse, die Menschen, die Kultur, die Märkte … die Erinnerungen daran bleiben. Und was den Nevada Sajama betrifft. Da passt der Spruch: „Der Berg is koa Froosch, der hupft ned davo!“

Abenteuer Bolivien – Auf zum Ancohuma

Zwei Tage nach unserer erfolgreichen Besteigung des Huayna Potosí fuhren wir frühmorgens in einem Minibus nach Sorata. Hier mussten wir in Jeeps umsteigen um zu unserem Basislager für die Besteigung auf den Ancohuma, unserem zweiten 6.000er zu gelangen. Abenteuerlich waren hier nicht nur die unbe- festigten Straßen, sondern auch die Fahrt als solche.

Auf abenteuerlicher Fahrt zum Basecamp Ancohuma

Der Fahrer unseres Jeeps lud zunächst seinen Vater auf das Dach des Fahrzeuges und nahm danach einen anderen Weg als der zweite Jeep um, wie er auf spanisch erklärte, seinen Vater abzusetzen. Im Laufe der Fahrt wurde der Weg zunehmend unwegsamer und führte in noch ab gelegenere Regionen. Der andere Jeep, in dem auch unser einheimischer Bergführer saß, war weit und breit nicht mehr zu sehen. Ungutes Gefühl machte sich breit, wussten wir doch, dass es vor allem in letzter Zeit in dieser Gegend immer wieder Übergriffe auf Touristen gab. Getrennt vom zweiten Jeep kamen wir tatsächlich in eine etwas heikle Situation, die jedoch glücklicherweise gut ausging.

Im Basecamp angekommen lagen noch etwa 2.500 Höhenmeter und zwei Hochlager zwischen uns und dem Gipfel des Ancohuma, der mit 6.425 m der dritthöchste Berg Boliviens ist. Das erste Hochlager liegt direkt an der Laguna Glacier mit beeindruckender Aussicht ins Tal bis hin zum Titicacasee. Hier konnten wir uns noch ein wenig erholen, um für die kommenden zwei Tage gut gerüstet zu sein.

Ancohuma – Auf dem Weg zum 2. Hochlager

Das zweite Hochlager schlugen wir direkt auf dem riesigen Gletscher auf, farbenfrohe Punkte im strahlenden weiß der Gletschermassen. Nach einer kurzen Nacht im Zelt begann gegen 2:30 Uhr der Aufstieg zum Gipfel. Bei etwa -15 Grad plus Windchill stiegen wir unserem Ziel entgegen. Mit Sonnenaufgang erreichten wir die technisch schwierigste Passage auf dem Weg zum Gipfel. Hier auf über 6.000 m Höhe galt es sowohl die Gletscherrandkluft als auch eine etwa 65 Grad steile und 70 m hohe Firnwand zu überwinden. Mit Eisschrauben, T- oder Firnanker bauten unsere Bergführer die Fixpunkte in die Wand.

Ancohuma – An der Steilwand

Nach etwa sieben Stunden standen wir bei strahlendem Sonnenschein am Gipfel. Lange konnten wir jedoch die grandiose Sicht nicht genießen, denn es stand noch ein langer Rückmarsch bevor. Dieser erfolgte auf dem Aufstiegsweg. Wieder mussten Fixpunkte für die Sicherung gebaut werden. Dafür nutzte einer der einheimischen Bergführer auch seinen „historisch wertvollen“ Eispickel mit Holzgriff, der glücklicherweise auch der Belastung eines Sprungs über die Gletscherrandspalte standhielt.
Zurück bei den Zelten war auch hier nicht an eine größere Pause zu denken, schließlich wollten wir noch am selben Tag zurück zur Laguna Glacier.

Ancohuma – Bunte Farbtupfen auf dem Gletscher

Daher hieß es „Zelte abbauen und weiter marschieren“. Nach einem 16 Stundentag kamen wir kurz vor Sonnenuntergang wieder am ersten Hochlager an, bauten die Zelte auf, genossen das Abendessen, das die Köche schon vorbereitet hatten und fielen in einen tiefen Schlaf.

Zurück in La Paz feierten wir unseren Gipfelerfolg mit einem extragroßen Steak, viel Salat, Pommes und Coca Cola in unserem „Stammsteakhaus“.

Flambieren des Jack Daniels Steaks

Inzwischen waren wir etwa 2 1/2 Wochen in Bolivien. So viele Eindrücke, schöne Touren, tolle Menschen, bunte Märkte, gewaltige Gipfel. Was haben wir schon alles gesehen und erlebt! Aber das sollte noch nicht alles gewesen sein. Das nächste Abenteuer stand schon bevor. Die Fahrt über die berühmt berüchtigte Death Road. Aber dazu mehr im nächsten Teil unserer Berichterstattung.

Abenteuer Bolivien – Unser erster 6.000er

Vom Trekking und der aktiven Höhenanpassung zurück, gönnten wir uns vor dem Start auf unserem ersten 6.000er noch zwei Nächte in einem Hotel mitten in der Altstadt von La Paz.

Hotel La Posada de la Abuela – La Paz

Das Hotel diente uns während des Aufenthaltes in Bolivien immer wieder als Stützpunkt zwischen den einzelnen Unternehmungen. Hier konnten wir Wäsche waschen, uns mal wieder ordentlich und ausgiebig duschen, unsere Ausrüstung sortieren und die für die kommende Tour nicht benötigte Ausrüstung einlagern. Zwischen all diesen notwendigen Aktivitäten bestaunten und genossen wir das emsige Treiben der Stadt mit ihren bunten Märkten.

Die Märkte von La Paz

Am 11. Tag begann der Aufstieg auf den Huayna Potosí mit 6.088 m in der Nähe von La Paz. Ausgangspunkt hierfür war der Zongo Pass, der mit 4.700 m nicht viel niedriger als der Mont Blanc ist. Von hier aus ging´s, diesmal ohne Muliunterstützung auf gut markierten Wegen zum nichtbewirtschafteten Campo-Alto Roca auf 5.130 m. Hier erwarteten uns schon unsere Köche Felix und Remichio, die schon beim Trekking für unser leibliches Wohl sorgten.

Campo Alto Roca am Huayna Potosí

Nach einer kurzen Nacht in einem nicht gerade komfortablen Lager begannen wir zunächst noch im Schein der Stirnlampen mit dem Aufstieg auf den Gipfel.

Gletscherspalten am Huayna Potosí

Unter der Führung von Aldo, einem der bekanntesten Bergführer Boliviens, stiegen wir mit Steigeisen und Pickel an gewaltigen Gletscherspalten vorbei, über Steilwände bis zum beeindruckenden steil aufgeschwungenen Gipfelgrat.

Huayna Potosí – Beginn des Gipfelgrats

Hier auf über 6.000 m war höchste Konzentration erforderlich, da der Grat etwa 300 Hm auf der einen und gute 1.000 Hm auf der anderen Seite steil abfällt. Eine zusätzliche Herausforderung an die mentale Stärke stellten die Windböen dar, die hier oben über den Grat drückten.

Huayna Potosí – ganz oben auf 6.088 m 

Am Gipfel angekommen – wir genossen das wunderbare Wetter, die Aussicht auf die umliegenden Gipfel, auf El Alto, La Paz und das Umland. Wunderschön.
Noch am selben Tag stiegen wir bis zum Zongo Pass ab und fuhren zurück nach La Paz in unser Hotel.

Abenteuer Bolivien – Die ersten Tage

Anfang Juni war es endlich soweit. Wir ließen die frühsommerliche Hitze Deutschlands hinter sich zurück und flogen zu siebt in den südamerikanischen Winter. Unsere Bergsteigerreise auf die 6.000er Boliviens konnte beginnen.

Unterwegs zu den 6.000ern Boliviens

Nach vielen Flugstunden und mehreren längeren Aufenthalten auf diversen Flughäfen landeten wir frühmorgens auf dem Aeropuerto Internacional El Alto dem auf etwa 4.100 m hoch gelegenen Flughafen von La Paz (Bolivien). Hier wurden wir durch unsere örtliche Partneragentur herzlich empfangen und zum Titicacasee gefahren. Was waren wir froh, dass wir nicht selbst fahren mussten. Der Verkehr in El Alto ist sogar an einem frühen Sonntag morgen nicht ansatzweise mit deutschen Verhältnissen zu vergleichen. Tagsüber ist es noch chaotischer. Chaos pur – aber es funktioniert.

Kreuz und quer im Kreisverkehr

Die ersten 10 Tage des Aufenthaltes dienten vorrangig der Akklimatisation. Eine Wanderung über die Isla del Sol im Titicacasee verbunden mit dem Besuch der Chincana-Ruinen und der gut erhaltenen Inkatreppe der Insel bot sich hierfür als Einstieg geradezu an. Das anschließende Zelttrekking in Höhen zwischen 4.500 m und 5.000 m sollte die Vorbereitung abrunden.

Zelteln in traumhafter Kulisse

Eine teilweise anspruchsvolle Wanderung mit hohen Pässen und herrlichen Aussichten auf Condoriri und seine Nachbarn führte uns in sechs Tagen von der Laguna Khotia auf nicht markierten, in keiner Karte verzeichneten Pfaden zum Zongo Pass. Zur Unterstützung beim Transport der Ausrüstung und der Verpflegung wurden wir von Mulis begleitet, die bis in Höhen von 4.900 m aufstiegen. Um unsere kulinarische Versorgung kümmerten sich zwei ein- heimische Köche, die zugleich als Wanderführer fungierten.

Zusammen mit Remichio und Felix am Gipfel

Mit der Besteigung des etwa 5.300 m hohen Pico Austria erreichten wir den höchsten Punkt der aktiven Höhenanpassung.
Bevor wir uns jedoch auf den Weg zu unserem ersten 6.000er in Bolivien machten, fuhren wir erst einmal zurück nach La Paz. Aber dazu mehr im nächsten Teil unserer Berichterstattung.

Zurück aus Bolivien

Viel zu schnell ging unsere Bergsteigerreise nach Bolivien zu Ende. Voll bepackt mit neuen Erlebnissen und Eindrücken kamen wir zu Hause an. Wir sind zwar körperlich wieder hier in Deutschland, aber in Gedanken schweifen wir regel- mäßig nach Bolivien ab. Die Zeit dort war zu beeindruckend, als dass wir übergangslos in den Alltag zurückkehren könnten. Spätestens beim Sichten und Sortieren der weit über 5.000 Fotos werden die Erinnerungen wach.

Es gibt so viel zu über unsere Reise zu erzählen! Womit sollen wir nur anfangen? Und wo aufhören? Gar nicht so einfach. Wie auch immer: Eine Zusammen- fassung unserer wichtigsten Stationen und schönsten Erlebnisse werden wir  zum Nachlesen hier auf unserem Blog einstellen.

Bolivien wir kommen!

Es ist soweit. Die Zeit der Vorbereitungen ist zu Ende. Unzählige Trainingstouren wurden absolviert. Jeder für sich, in Kleingruppen und wenn wir die Gelegenheit dazu hatten, dann waren wir möglichst alle zusammen auf unseren Vorbe- reitungstouren unterwegs. Grundlagentraining wie Laufen und Radfahren, im Winter Ski- und Schneeschuhtouren sowie Bergtouren bestimmten unsere Freizeit.  So oft wie möglich, so hoch hinaus wie möglich, das war Teil unserer Vorbereitungen. Den Körper so gut es geht an die Höhe zu gewöhnen ist wichtig, schließlich landen wir in La Paz bereits auf 4.100 m Höhe.

Deshalb wollten wir das Wochenende vor unserer Abreise noch einmal in den Bergen verbringen. Doch es war nicht einfach ein geeignetes Ziel zu finden, zumal der Wetterbericht für dieses Wochenende keinen Anlass zur Freude gab. Nach einiger Recherche stießen wir auf die Oberwalderhütte eine der wenigen hoch- gelegenen Hütten die am ersten Juniwochenende bereits geöffnet hat. Hier auf 2.973 m mit Blick auf den Großglockner wollten wir das Wochenende verbringen.

Oberwalderhütte mit Blick auf den Großglockner

Eigentlich hatten wir die Tourensaison schon beendet. Aber ohne Ski bzw. Schneeschuhe war der Zustieg zur Hütte kaum möglich. Folglich mussten wir das LVS-Gerät wieder rauskramen, Batterien rein, Schaufel, Sonde, Felle usw. zusammensuchen und schon konnte es losgehen. Ein Teil der Gruppe stieg am Freitag der andere Teil am Samstag von der Kaiser-Franz-Josef-Höhe aus zur Hütte auf. Aufgrund der Bedingungen vor Ort mussten wir erst einmal über längere Zeit unsere Ski bzw. Schneeschuhe tragen. Der Weg führte zunächst über den Gamsgrubenweg durch Tunnels über Lawinenabgänge und am Restschnee vorbei in Richtung Gletscher über den wir dann weiter Richtung Hütte aufstiegen.

Zustieg zur Oberwalderhütte

Am Freitag entschieden wir uns aufgrund der schlechten Bedingungen über den Sommerweg aufsteigen. Gar nicht so einfach im schneebedeckten felsdurch- setzten Gelände zumal wir hier erneut die Ski am eh schon schweren Rucksack befestigen mussten. Aber wir wurden ausreichend für unsere Mühen entschädigt. Am Samstag war das Wetter entgegen der Vorhersagen einfach klasse. Zudem hatten wir die Hütte fast für uns alleine. Und eine kleine Skitour auf den Johannisberg war auch noch drin. Ein Traum. So macht Höhenanpassung Spaß.

Skitour auf den Johannisberg

Jetzt muss nur noch gepackt werden. Nur noch? Für so ein Abenteuer zu packen ist nicht ganz einfach. Haben wir auch alles beisammen, was wir an Ausrüstung benötigen? Und vor allem: Auf was können wir verzichten? Schließlich ist das Gepäck pro Person auf 23 kg plus 8 kg Handgepäck begrenzt. Nicht gerade viel, wenn man bedenkt wie lange wir unterwegs sind und was wir alles an Ausrüstung benötigen. Alleine die expeditionsgeeigneten Bergschuhe wiegen etwa 2,5 kg. Dazu kommen Steigeisen, Gurt, Karabiner, Seile, Schlafsack, Isomatte, warme Bekleidung und vieles mehr.

zusammengesucht – gewogen – aussortiert – wieder gewogen – passt!

Wir werden wieder einmal nicht daran vorbei kommen, die schweren Bergschuhe und die dicken Jacken bereits auf dem Flug zu tragen. Man erntet dafür zwar regelmäßig schiefe Blicke der Mitreisenden. Aber was soll`s – so sparen wir Gewicht und Platz.

Im Hochlager? – Ein Test

Endlich im ersten Hochlager angekommen. Gemeinsam versuchen wir unser Zelt aufzubauen. Ein nicht enden wollender Kampf gegen Sturm und Schnee. Beinahe hätten wir unser Zelt verloren – einfach vom Sturm davongetragen. Endlich steht es sicher verankert mitten am Berg auf über 5.000 m über dem Meer. Wir haben Hunger, Durst und nichts mehr zu trinken. Einer von uns muss nochmal raus um Schnee zu holen. Erst wenn wir diesen geschmolzen haben, gibt es wieder etwas zu trinken. Essen gibt´s auch nur, wenn wir genug heißes Wasser für die Tüten- verpflegung haben. Wir bauen den Benzinkocher auf, bereiten alles vor um Feuer zu machen. Mist, das Feuerzeug funktioniert nicht. Es ist doch ganz neu. Gestern im Basislager ging es doch noch! Warum funktioniert es jetzt nicht mehr? Wir haben Hunger, Durst – uns ist kalt! Wir können den Kocher nicht in Betrieb nehmen! Wir können bei diesem Sturm auch nicht absteigen! Wann bessert sich das Wetter? Wer weiß wie lange wir hier ohne Wasser und Essen festsitzen?

Montag Morgen, der Wecker klingelt. Ich habe Durst und … zum Glück alles nur geträumt. Ein Alptraum. Sollte so ein Szenario Wirklichkeit werden, wäre unser Leben ernsthaft in Gefahr.

Header Bolivien

Wie wir bereits berichteten wollen wir auch dieses Jahr wieder hoch hinaus. Auf unseren Bergtouren in Bolivien werden wir mehrmals im Hochgebirge weit ab jeglicher Zivilisation im Zelt übernachten. Hier werden wir dann ganz auf uns selbst gestellt sein. Um die Gefahr in ein ähnliches Szenario wie aus meinem Alptraum zu geraten so gering wie möglich zu halten versuchen wir uns so gut wie möglich vorzubereiten.

Bei einer unserer gemeinsamen Vorbereitungstouren trafen wir uns zu einem Materialtest und Erfahrungsaustausch im Stubaital. Gemeinsam stiegen wir mit schwerem Gepäck mehr als 1.400 Hm bis zur Bergstation der Schaufeljochbahn auf.

Auf über 3.100 m testeten wir unsere Fähigkeiten im Zeltaufbau bei Sturm, in der Bedienung des Kochers, der Zubereitung von Expeditionsnahrung sowie unsere eigene Ausrüstung.

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an Helmut jun. und Julian für die logistische Unterstützung. Ihr habt für uns eine gefühlte Tonne Ausrüstung nach oben transportiert und uns damit sehr geholfen.

Zelteln auf`m Gletscher

An diesem Wochenende konnten wir zudem unsere bisherigen Erfahrungen mit Höhe, Kälte und … Feuerzeugen austauschen. Es ist tatsächlich so, dass ein Gasfeuerzeug in großen Höhen nicht mehr funktioniert. Genauso ist es auch mit Gaskochern, weshalb wir in Bolivien ausschließlich mit Benzinkochern arbeiten werden. Diese sind meist nicht ganz so komfortabel in der Bedienung, aber sie funktionieren auch unter schwierigeren Bedingungen zuverlässig.
Besonders wertvoll waren uns die Informationen von Roland, unseres höhen- erfahrenen Kameraden und Arzt, der uns in einem sehr interessanten Vortrag die verschiedenen Höhenkrankheiten, deren Vermeidung und Behandlung erklärte.

Darüber hinaus entführte er uns mit tollen Bildern in seine früheren Expeditionen. Die Sehnsucht nach neuen Abenteuern stand uns allen ins Gesicht geschrieben. Hoffentlich ist bald Sommer. Wir wollen wieder hoch hinaus!

Wir wollen wieder hoch hinaus

Seine überraschende Absage traf uns gänzlich unvorbereitet. ER kommt nicht mit nach Bolivien. Wie sollen wir nur ohne IHN zurechtkommen? Es hilft kein Jammern und Zetern, weder ein treuherziger Blick noch Versprechungen. Seine Entscheidung steht. Seine Begründung: „… zu hoch, zu kalt, zu weit …“. So jedenfalls sein Kommentar auf unserer Facebookseite. Wir werden ohne IHN zurechtkommen müssen.

Ist nur gut, dass alles bestens vorbereitet ist. Der Ablauf der Reise steht, die Flüge und die Unterkünfte sind gebucht, alle Absprachen mit den örtlichen Agenturen und Führern sind getroffen …

Im Juni ist es soweit. Zu sechst fliegen wir von München über Madrid und Bogotá nach La Paz. Von dort fahren wir gleich weiter zum Titicacasee, der auf einer Höhe von etwa 3.800 m über dem Meeresspiegel liegt. Ein paar Tage am See mit Besuch der Isla del Sol und das anschließende Trekking bieten uns eine gute Gelegenheit zur Gewöhnung an die fremde Umgebung und natürlich zur Anpassung an die Höhe. Schließlich wollen wir mal wieder hoch hinaus.

Diesmal sind der Huayna Potosí mit 6.088 m und der Ancohuma mit 6.425 m die Ziele unserer Bergträume. Und für diejenigen unter uns, denen dies alles nicht reicht, ist im Anschluss noch die Besteigung des Nevado Sajama geplant, der mit 6.542 m der höchste Berg Boliviens ist.

Aber bevor es soweit ist steht erst mal die Vorbereitung auf dieses Abenteuer im Vordergrund. Regelmäßiges Ausdauertraining, Ski-, Schneeschuh- und Berg- touren werden die nächsten Monate unser Freizeitverhalten mitbestimmen.

Wir werden uns im Vorfeld der Reise sicher öfter treffen, gemeinsam auf Tour gehen, unsere Schlafsäcke auf Kältetauglichkeit testen, die Handhabung des Kochers üben … Wir könnten zum Beispiel eine gemeinsame Wintertour mit Übernachtung im Zelt oder Iglu unternehmen.  Aber dazu mehr, wenn es soweit ist.