Abenteuer Bolivien – Nevada Sajama

Zurück in La Paz hatten wir kaum Zeit unseren Ancohuma Gipfelerfolg zu feiern. Zumindest galt dies für Helmut und für mich. Unser Tag war ausgefüllt mit der Organisation der Tour auf unseren dritten 6.000er. Diesen wollten wir auf eigene Faust und ohne Unterstützung durch örtliche Hilfskräfte erobern. Zelt, Kocher, Eispickel, Seil … mussten organisiert werden. Dann folgte noch das übliche Packen, wobei wir diesmal das Gepäck auf das absolute Minimum reduzieren mussten, schließlich hatten wir für diese Tour keinen Träger vorgesehen.

Aber vorher stand noch die Befahrung der Death Road (spanisch: el camino de la muerte) auf dem Programm.

Death Road und die Pflanzenpracht der Yungas

Diese nicht befestigte einspurige Verbindungsstraße zwischen La Paz und Coroico führt ohne Leitplanken an steilen Abhängen entlang und galt bis zum Bau einer Umgehungsstraße als die gefährlichste Straße der Welt. Eine traumhaft schöne Fahrt von der kargen Landschaft am La Cumbre Pass in den feucht- warmen Regenwald der bolivianischen Yungas.

Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege. Helmut und ich fuhren nach Sajama, dem Ausgangsort für die Besteigung des Nevado Sajama während der Rest der Gruppe zurück nach Deutschland flog.

Nur neun Tage nachdem wir unseren ersten Gipfelerfolg feiern konnten, begannen wir mit dem Anstieg auf den höchsten Berg Boliviens mit 6.542 m. Bereits der Aufstieg ins Basislager stellte sich als äußerst mühsam heraus.

Auf zum Basecamp Nevado Sajama

Nicht, weil der Weg so lang und schwierig war, die Ursache war auch nicht im sehr schweren Gepäck zu suchen. Nein, der wesentliche Grund war die offensichtlich nicht ausreichend lange Regeneration zwischen den einzelnen Touren.

Nach einer Nacht im sonst menschenleeren Basislager fühlten wir uns jedoch wieder fit genug um ins Hochlager zu verlegen. Leider mussten wir bald feststellen, dass wir immer noch sehr müde waren. Der heutige Marsch war wieder äußerst beschwerlich. Meter um Meter kämpften wir uns unserem Tagesziel entgegen. Immer öfter mussten wir eine Pause einlegen. Noch vor Erreichen des Hochlagers trafen wir schweren Herzens die Entscheidung auf einen Gipfelversuch am kommenden Tag zu verzichten zumal wir wussten, dass wir uns im Hochlager auf 5.700 m nicht mehr regenerieren konnten (auf Höhen von über 5.500 m ist eine Regeneration nicht möglich, weshalb es keine menschlichen Siedlungen über dieser Höhe gibt).

Hochlager am Abgrund

Und so ausgepowert wie wir waren, war uns ein Gipfelversuch zu gefährlich. Auf dem Weg zum Gipfel hätten wir noch eine technisch anspruchsvollere Passage an einer sehr ausgesetzten Stelle überwinden müssen. Ein Fehler an dieser Steilwand hätte zu einem Absturz von mehreren Hundert Meter führen können. Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen.

Nevado Sajama – Abschied

Nach einer langen, kalten Nacht auf 5.700 m mussten wir unseren Traum, drei 6.000er in zwei Wochen zu besteigen, begraben. Den Aufstiegsweg entlang stiegen wir durch kniehohen Büßerschnee bis ins Tal ab und marschierten hier noch ein paar Kilometer bis zu den heißen Quellen in Sajama Nationalpark in denen wir uns ein ausgiebiges Entspannungsbad gönnten. Mit Blick auf Nevado Sajama im Hintergrund genossen wir das warme Bad.

Durch den Büßerschnee bis zu den heißen Quellen

Den Gipfel unseres dritten 6.000ers erreichten wir leider nicht mehr. Aber das können wir verschmerzen. Viel zu schön war unsere Zeit in Bolivien. Die Trekkingtour, die Bergerlebnisse, die Menschen, die Kultur, die Märkte … die Erinnerungen daran bleiben. Und was den Nevada Sajama betrifft. Da passt der Spruch: „Der Berg is koa Froosch, der hupft ned davo!“

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