Vom Winde verweht

Bevor die Skitourensaison für uns in diesem Jahr endgültig zu Ende geht, wollten wir auf jeden Fall noch einmal losziehen. Das Ziel unserer Abschlusstour – der Großvenediger.

Auf geht´s in Richtung Großvenediger

Die Voraussetzungen hierfür waren erst mal sehr gut. Traumwetter war angesagt. Wir hatten Zeit und waren hochmotiviert. Nachdem wir den ganzen Winter unterwegs waren, sind wir alle gut trainiert. Zudem fehlt bei zweien aus unserer kleinen Truppe der Großvenediger noch im Tourenbuch. Das einzige Problem. Das Hüttentaxi zum Materiallift der Kürsinger Hütte fuhr noch nicht. Die Aussage der Wirtsleute der Postalm: „Soviel Schnee wie diesen Winter gab es seit Jahrzehnten nicht mehr“. Für uns hieß das etwa 12 km und 900 Hm mehr gehen als geplant. Aber von solchen Kleinigkeiten lassen wir uns grundsätzlich nicht abschrecken.

Freitag Mittag nach Dienstschluss bzw. Schulende fuhren wir los. Im Ober- sulzbachtal angekommen war von Schnee erst mal weit und breit nichts zu sehen. Bei etwa 27° schnallten wir daher Ski und –schuhe auf unsere Rucksäcke und gingen zunächst zu Fuß los. Komisch – kein Schnee und trotzdem fährt das Hüttentaxi nicht? Bald darauf wussten wir warum.

Aufstieg durch´s Obersulzbachtal

Massive Lawinenabgänge hatten Jahrzehnte alte Bäume wie Streichhölzer umge- knickt. Diese blockierten nun den Weg. Nach etwa einer Stunde erreichten wir die ersten Schneefelder. Endlich wurden wir die schwere zusätzliche Last los. Wir konnten die Tourenschuhe anziehen, die Skier anschnallen und zum Gasthaus aufsteigen. Hier auf 1.700 Hm war es bei unserer Ankunft um etwa 19:30 Uhr immer noch so warm, dass wir im T-Shirt gehen konnten.

Postalm

Samstag. Für heute war zunächst nur der Aufstieg zur Kürsinger Hütte geplant. In der Hoffnung dort einen passablen Schlafplatz zu ergattern wollten wir trotzdem zeitig aufbrechen. Die Hütte war seit Tagen ausgebucht und mehr als ein Notlager konnte uns der Hüttenwirt nicht versprechen. Nach unserer Ankunft machten wir es uns in einer Nische im Treppenhaus bequem und beschlossen erst mal ein wenig zu schlafen. Auf eine Nachmittagstour verzichteten wir, da der Schnee selbst hier oben auf über 2.500 m recht sulzig war. Außerdem wurde es zunehmend windiger. Dank guter Beziehungen zum Hüttenwirt bekamen wir nach dem Abendessen völlig überraschend noch eine Stube zugeteilt.
Ein Traum – die Nacht war gerettet.

Zumindest bis etwa 3:00 Uhr. Ein lautes Krachen. Der Wind hatte eine Fensterscheibe im Flur eingedrückt. Nun fegt der Föhnsturm nicht nur um, sondern auch durch die Hütte.  Die Wirtsleute fegen die Glassplitter zusammen, schließen die Fensterläden. Wir drehen uns um, schlafen weiter. 4:00 Uhr morgens. Zeit zum Aufstehen. Es stürmt immer noch. Nun war guter Rat teuer. Wir gehen die Lage erkunden, wägen Für und Wider ab. Nach längerem Hin und Her treffen wir die Entscheidung. Auch wenn´s schwer fällt, wir bleiben erst mal auf der Hütte. Das Risiko ist uns zu hoch.

Der Sturm hört und hört nicht auf. Der Großvenediger ist heute auf keinen Fall zu machen. Auf Wetterbesserung können wir nicht warten, wir müssen am nächsten Tag zur Arbeit bzw. in die Schule. Wir haben keine Wahl. Wir müssen raus in den Sturm. Bei Böen bis zu geschätzten 120 kmh kämpfen wir uns die paar Höhenmeter bis zur Weggabelung hoch um den Winterweg ins Tal nehmen zu können. Wir kommen kaum vorwärts.

Bei Föhnsturm unterwegs

Wenn die Böen zu stark werden, rammen wir die Stöcke in den Schnee, stützen uns ab und versuchen dem Wind stand zu halten. Lassen die Böen nach, versuchen wir so schnell wie möglich ein paar Schritte weiter zu kommen. Reagieren wir nicht schnell genug auf die Zunahme des Windes, kann es schon mal passieren, dass wir schlicht und einfach umgeweht werden. Wie klein wir doch gegen die Naturgewalten sind. Der weitere Weg führt uns über einen zugefrorenen Gletschersee. Zum Glück haben wir hier Rückenwind. Dieser ist auch hier unten immer noch so stark, dass wir nur die Arme ausbreiten müssen um Fahrt aufzunehmen. Der Wind treibt uns mit zunehmender Geschwindigkeit über den See. So schnell, dass wir am Ende des Sees bremsen müssen um nicht unkontrolliert über die nachfolgende Geländekante zu schießen. Wahnsinn. So etwas haben wir noch nie erlebt. So ein Spaß! Mit dem Wind im Rücken gleiten wir zurück ins Tal.

Auch wenn wir den Gipfel nicht erreicht haben, wir waren draußen, hatten unseren Spaß und der Erlebniswert dieser Tour ist wirklich nicht zu verachten. Unser besonderer Respekt gilt Helmut, der mit seinen noch nicht mal 15 Jahren als vollwertiges Mitglied unserer Truppe das teilweise recht zügige Tempo problemlos mitgehalten und auch die besonders anstrengenden Abschnitte klaglos weggesteckt hat. Sauber Helmut!

Und was den Großvenediger angeht. Da fällt mir Paulchen Panther ein. „Heute ist nicht alle Tage – ich komm (also wir kommen) wieder, keine Frage“.

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