Auf anspruchsvoller Route auf den Mont Blanc

Dank unserer individuellen Vorbereitungstouren und der gemeinsamen Tour auf den Gran Paradiso konnten wir am 22.08.2011 gut akklimatisiert von Chamonix  mit der Seilbahn bis auf 3.842 m zur Bergstation „Aiguille du Midi“ auffahren. Von dort aus waren es nur noch etwa 45 Minuten bis zu unserer Unterkunft, dem „Refuge des Cosmiques“.

Die Hütte, auf einer Felskuppe mitten in der Gletscherwelt des Mont-Blanc-Massives, ist nicht gerade luxuriös ausgestattet und war reichlich voll. Für die ganze Hütte mit einer Kapazität von etwa 150 Bergsteigern gibt es gerade mal ein Waschbecken und … nein, über die Toilettensituation möchte ich hier nicht berichten.

Nach längerem Studium diverser Wettervorhersagen sowie einigen Diskussionen mit der Hüttenwirtin und anderen Bergführern beschlossen wir aufgrund der Wettersituation, entgegen unserer ursprünglichen Planung, bereits am Dienstag in Richtung Gipfel aufzubrechen. Wir wollten zeitig losgehen um nicht unter Zeitdruck zu geraten. Daher: Wecken um 2:30 Uhr, ein kurzes Frühstück, die bereits gepackten Rucksäcke schnappen, fertig anziehen, anseilen, Stirnlampe an und schon konnte es losgehen.

Zuerst noch recht flach, dann immer steiler werdend stiegen wir in der Dunkelheit über einige größere Gletscherspalten in Richtung Mont Blanc du Tacul auf, den wir links liegen ließen. Bei wunderschöner Morgenstimmung ging es stetig bergan am Mont Maudit vorbei, weiter über den sich steil auf- schwingenden Gletscher …

zur Schlüsselstelle dieser Route, einer etwa 50 Grad steilen und ca. 60 Meter langen Eiswand, die es zu überwinden galt. Dank unserer Bergführer, die hier wieder einmal ihr Können unter Beweis stellten, an dieser anspruchsvollen Stelle vorstiegen und uns nachsicherten, konnten wir auch diese schwierige Passage bestens gesichert überwinden.

Noch lagen einige Stunden Marsch vor uns. Dann war es endlich soweit, der Höhenmesser zeigte die magische Zahl 4.810 m an. Ja, wir hatten es geschafft!!! Wir standen auf dem höchsten Punkt Europas (außer man rechnet den Kaukasus zu Europa – dann ist es nur der höchste Punkt Frankreichs).

Eine kurze Pause, ein paar Erinnerungsfotos und schon mussten wir uns auf den Rückweg machen. Den ganzen Weg zurück über die steile Eiswand, den steil abfallenden Gletscher, die Spalten bis zur Hütte. Immer hochkonzentriert am straffen Seil gehen. Bloß keinen Fehler machen. Ganz schön anstrengend!

Etwa eine Stunde vor dem Refuge des Cosmiques kam eine Seilschaft noch zu einer ungewollten Pause. Direkt vor ihnen gab es einen Rettungseinsatz per Hubschrauber. Zum Glück keiner aus unserer Gruppe. Aber an ein Vorbeikommen an der Unfallstelle war aufgrund der Spaltensituation nicht zu denken. Also hieß warten. Nach einem für uns alle sehr beeindruckenden Tag auf dem Gletscher trafen wir uns gesund aber müde auf der Hütte wieder.

Nach dem Abendessen stand noch die Tourplanung für den nächsten Tag an. Aber irgendwie war die Luft raus. Wollten wir nach diesem harten Tag wirklich eine weitere Tour anhängen? Wie wäre es mit einem Ausbildungstag? Kameradenrettung mittels der Losen Rolle an einer echten Spalte, Flaschenzug, Selbstrettung aus einer Spalte…! Einige überlegten vorzeitig nach Hause zu fahren. Da wir uns nicht einigen konnten, verschoben wir die Entscheidungs- findung auf den nächsten Tag. Jetzt wollten wir erst mal schlafen.

Am nächsten Morgen dann das überraschende Ergebnis. Die Mehrheit wollte nach Hause fahren. Schade eigentlich, aber … O.k.

Auf dem Rückweg zur Bergstation wartete eine letzte Herausforderung auf uns. Wir mussten den schmalen Grat zurück zur „Aiguille du Midi“ überwinden. Dieser ist teilweise gerade mal breit genug um die Steigeisen aneinander vorbei zu bekommen. Rechts ging´s hunderte von Meter hinab in Richtung Chamonix, links nicht ganz so weit auf den Gletscher. Aber auch diese Hürde meisterten wir.

Noch ein letztes Mal die Aussicht auf die gewaltigen Gletschermassen genießen und schon endete unser Abenteuer Mont Blanc.

Fazit:
Eine traumhaft schöne aber sehr anspruchsvolle Tour mit einer harmonischen Gruppe liegt hinter uns. Wir können stolz sein auf unsere Leistungen. Unser besonderer Dank gilt Michael Höglauer und Christian Brüderl, die uns mit ihrer ruhigen und kompetenten Art sicher führten. Wir hoffen bald wieder einmal mit Euch unterwegs sein zu können.

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