Aconcagua Januar 2011 – Teil III

Es geht los, wir verlassen das Basislager in dem wir die letzten Tage verbracht haben.

Im Gegensatz zur letzten Tour auf den Kilimanjaro, die von einheimischen Trägern und Köchen begleitet wurde, welche die Versorgung am Berg übernommen hatten, waren wir diesmal entschlossen, die gesamte Ausrüstung ab dem Basislager selbst zu tragen. Um dies zu bewerkstelligen, mussten wir jeden Teilabschnitt von einem Lager zum nächsten zweimal überwinden. Am jeweils ersten Tag wurden Lebensmittel und Ausrüstungsgegenstände, die am Ausgangslager nicht mehr benötigt wurden, nach oben getragen, in Säcke verpackt und deponiert. Am nächsten Tag folgten dann die Zelte und weiteres Material. So arbeiteten wir uns mit schweren Rucksäcken vom Basislager über das erste Hochlager (Camp Alaska) auf 5.300 m zum zweiten Hochlager dem Camp Berlin auf 5.900 m nach oben.

Da es ab dem Basislager keinerlei fließendes Wasser mehr am Berg gibt, mussten wir täglich pro Person mindestens 4 Liter Wasser durch Schnee schmelzen gewinnen. Als Verpflegung stand fast ausschließlich gefriergetrocknete Expedi- tionsnahrung auf dem Speiseplan.

Am 23. Januar war es soweit. Nach einer von Schneestürmen geprägten Nacht begann am frühen Sonntagmorgen bei – 20 Grad und Wind unser beschwer- licher Anstieg auf den Gipfel.

Hier wurde uns wieder einmal der Unterschied zum Kilimanjaro deutlich. Zum Vergleich: Der höchste Punkt des Kilimanjaromassives mit 5.895 m liegt in etwa auf der Höhe des Camp Berlin auf welchem wir die letzte die Nacht verbracht hatten. Ab hier waren nochmals über 1.000 Höhenmeter zu überwinden.

Wir, die wir jeweils ohne nennenswerte Schwierigkeiten mit den Höhenver- hältnissen am Kilimanjaro zurecht zu kamen, sahen uns hier vor eine völlig neue Aufgabe gestellt. Auf dieser Höhe ist jede Bewegung um ein Vielfaches anstrengender. Wieder und wieder kämpften wir uns bis zur nächsten Pause ein paar Höhenmeter nach oben. Eigentlich lächerlich kurze Strecken. Aber hier auf über 6.000 m kam es uns unendlich weit vor. Verantwortlich hierfür ist der niedrige Sauerstoffpartialdruck, der auf Gipfelhöhe nur noch bei etwa 40 % des Wertes auf Meereshöhe liegt. Wegen des geringen Sauerstoffangebotes wird die Leistungsfähigkeit und damit die Schnelligkeit des Aufstieges drastisch reduziert.

Nach 7 ½ Stunden Aufstieg erreichten wir unser Ziel, den Gipfel des Cerro Aconcagua, der zugleich der höchste Berg des amerikanischen Kontinents, der höchste Berg außerhalb Asiens und der zweithöchste Berg der Seven Summits ist. Endlich oben, ausgepowert und atemlos. Zu erschöpft um glücklich zu sein.

Leider war wegen eines Wetterumschwungs eine längere Pause am Gipfel nicht möglich. Ein paar Erinnerungsfotos und schon begann der schnelle Rückzug. Die letzten 200 Höhenmeter bis zum Lager konnten wir nur noch unter Zuhilfenahme des GPS-Gerätes zurücklegen, da aufgrund des aufgezogenen Schneesturms keinerlei Orientierung mehr möglich war. Nach über 11 Stunden kamen wir Dank der fachkundigen Führung von Helmut wieder sicher im Lager an. Wir krochen in unser Zelt und hatten nur noch eines im Sinn. Schlafen, schlafen und nochmals schlafen.

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